Projekte Archiv: 2012 – „Spur der Steine“

Ein Rundweg zu Kunstwerken im öffentlichen Raum

Mit dem Aufbau der Hoyerswerdaer Neustadt gab es von Beginn an Bestrebungen, Kunst im öffentlichen Raum aufzustellen und zu installieren. Neben Fassadengestaltung, Metallarbeiten und Brunnen, die von verschiedenen Künstlern für öffentliche Plätze und Einrichtungen geschaffen wurden, fanden auch zahlreiche Kunstwerke ihren Platz.

Eine neue Qualität wurde mit der Etablierung der Hoyerswerdaer Bildhauersymposien durch die Stadt Hoyerswerda und den ortsansässigen Künstler Jürgen von Woyski  erreicht. Mitveranstalter des Symposiums war ebenfalls der Verband Bildender Künstler der DDR. Um die organisatorischen Dinge kümmerte sich als Symposiums-Sekretär zunächst der umtriebige Tierpark-Direktor Günter Peters.

Von Beginn an war von Woyski künstlerischer Leiter der Bildhauersymposien, bei denen internationale Künstler in Hoyerswerda Skulpturen vor allem aus Sandstein schufen. Ziel der Bildhauersymposien war das Anliegen, internationale Künstler mit unterschiedlichen Auffassungen und Handschriften gemeinsam arbeiten zu lassen, Begegnung und Austausch zu pflegen und die Neustadt mit qualitativ hochwertiger Kunst zu versorgen.
Dem ersten Bildhauersymposium folgten in Zweijahresabständen acht weitere bis zum Jahr 1989.

Diesen internationalen Bildhauersymposien ist der Umstand zu verdanken, das Hoyerswerda eine große Anzahl an bildhauerischen Objekten im Stadtgebiet besitzt.

Kunst im öffentlichen Raum prägt das kulturelle Leben der Stadt Hoyerswerda, sie trägt zur Identifikation mit dem Lebensraum bei und ist eigentlich auch ein wichtiger Standortfaktor.

Dieser große Schatz, sowohl für die Hoyerswerdaer selber als auch Besucher und Touristen, findet jedoch nicht den ihn gebührende Beachtung. Zwar haben die Plastiken in der Regel einen sehr schönen Standort und dies erfreulicherweise auch in einem gut gepflegtem Umfeld, jedoch wird z.B. bei der Stadtinformation und im öffentlichen Raum kaum auf dieses besondere künstlerische Erbe hingewiesen.

Mit unserem Projekt möchten wir diesem negativen Umstand Abhilfe schaffen.

In Zusammenarbeit mit der Jürgen von Woyski-Stiftung und dem Fotografen Rico Hofmann möchte unser Verein einen Stadtplan in Form eines Faltflyers erarbeiten und herausgeben, der auf diese Plastiken, den Künstlern und den Standorten hinweisen wird. Kurzinformationen sollen Neugierde wecken und die Besucher unserer Stadt zu einem ungewöhnlichen Stadtrundgang verführen.

Ein Leitsystem, bestehend aus einem „Spur der Steine“- Aufkleber wird mit entsprechenden Hinweispfeilen das Aufsuchen der Standorte und Plastiken erleichtern.

Perspektivisch ist daran gedacht alle vorhandenen Informationen zu den Künstlern, den Symposien etc. für eine Internet-Homepage mit einem virtuellen Rundgang aufzuarbeiten (2.Projektbaustein). Dort wäre dann auch der Platz vorhanden um Interessenten detaillierte Informationen geben zu können. Auf Google Maps werden im nächsten Schritt alle Arbeiten mit ihrem jeweiligen Standort veröffentlicht. Erste Ideen gibt es auch für einen speziellen Geocaching-Pfad.

Gemeinsam wird an einem Logo gearbeitet, welches dann auf dem Plan und den Aufklebern im gesamten Stadtgebiet unübersehbar auf die wertvollen Kunstwerke hinweisen wird. Und somit zu einem individuellen Stadtspaziergang der besonderen Art einladen wird. Zu einer Entdeckungsreise durch eine im Wandel befindliche Stadt, weit weg vom Klischee der üblichen Plattenbausiedlungen, hin zu Ruhepunkten im urbanen Raum.

Mit einem öffentlichen Stadtspaziergang wird der Plan der Öffentlichkeit vorgestellt (10.6.2012). Dabei finden an jedem der sechs Standorte besondere Aktionen statt (Lesung, Musik, Picknick).
Diese besonderen Stadtspaziergänge könnten perspektivisch zu einer regelmäßigen Attraktion und zu einer Ergänzung des touristischen Angebotes unserer Region werden.

Mit der Herausgabe des Stadtplanes und der der Ausschilderung ist jedoch die beabsichtigte Wahrnehmung der Kunstwerke erst einmal gegeben.

Stadtspaziergang „Spur der Steine“, Premiere am 10.6.2012
(hier auch virtuell möglich)

Ein Projekt der Kulturfabrik Hoyerswerda e.V.
Layout und Fotos: Rico Hofmann, Texte: Kathleen Hofmann
mit freundlicher Unterstützung durch die Regionalstiftung Kunst & Kultur der Ostsächsische Sparkasse Dresden, der  Jürgen von Woyski-Stiftung, des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien und der Stadt Hoyerswerda.

 

 

 

(Hoy-TV Beitrag)

Presse „Hoyerswerdaer Tageblatt“
Dienstag, 12. Juni 2012 (Sächsische Zeitung)

Unterwegs zu Kunst aus Sandstein

von Simon Dietze

Hoyerswerdas KulturFabrik stellt die einst bei den Bildhauer-Symposien in der Stadt entstandenen Skulpturen in den Mittelpunkt ihres Projektes „Spur der Steine“.

Hoyerswerda. „Ich denke jetzt oft an früher, an die Zeit vor fünf und vor zehn Jahren, als wir hierherkamen. Alles schmeckt nach Abschied … Merkwürdig, wie man sein Herz an diese öde Landschaft gehängt hat, an diese unmögliche Stadt.“ Schon die Autorin Brigitte Reimann forderte so den Einklang von Kunst und Kultur mit der Stadt Hoyerswerda – eine Stadt, die oft so dargestellt wird, als habe sie keinerlei künstlerische Perspektive, keinerlei Individualität. Dabei muss man doch gar nicht so lange suchen, um beispielsweise auf Skulpturen zu stoßen, die oft zwar versteckt scheinen, aber öffentlich und ganz einfach zugänglich sind.

Faltplan vorgestellt

Die KulturFabrik Hoyerswerda will mit ihrem Projekt „Spur der Steine“ zeigen, wie viel Bildhauer-Kunst in Hoyerswerda vorhanden ist. Am Sonntag lud sie daher zum Rundgang an jene sechs Plätze, an denen die einst bei den Bildhauersymposien im Tierpark geschaffenen Skulpturen stehen. Vorgestellt wurde zugleich ein entsprechender Faltplan mit der Route und der Auflistung der einzelnen Werke. Die meisten der Sandsteinplastiken, die zwischen 1975 und 1989 angefertigt wurden, finden wir in Parkanlagen. Ab 1975 wurde alle zwei Jahre ein Symposium veranstaltet, dessen Leitung der Hoyerswerdaer Bildhauer Jürgen von Woyski (1929 – 2000) übernahm. So wurden Ideen aus aller Welt, geordnet nach Themen, in Stein gemeißelt. Die Skulpturen wurden in Hoyerswerda oder anderen Städten der Region aufgestellt. Cottbus besitzt deswegen zwei Skulpturengruppen, die Stadt Guben eine.

Am frühen Nachmittag eröffnete KuFa-Geschäftsführer Uwe Proksch den Stadtspaziergang im Stadtrandpark gegenüber dem Achat-Hotel, wo die Plastiken des neunten Symposiums stehen. Doch da zu jedem Kunstwerk auch immer eine Geschichte gehört, übernahmen Stefan Glietsch von der KuFa, Angret Gläsel als Vorsitzende der Woyski-Stiftung, und Torsten Sielaff, der Sekretär des neunten Bildhauersymposiums, die Führung. Quer durch die Stadt wurden die gut 100 Kunstinteressenten informiert und durften Fragen stellen. Angret Gläsel kam dabei ins Schwärmen: „Das sind alles wunderschöne Arbeiten. Wer sich hier aufhält, wird definitiv zum Nachdenken angeregt.“

Beim Zwischenstopp im Park am „Olympia“ (Symposium 1987) gab es Kaffee und Kuchen, während die Werke von Sergej Jankiew, Bosco Kucanski und ihren Kollegen betrachtet wurden. Der Spaziergang endete im Woyski-Park mit einem Tango-Konzert, welches die Gäste in den Abend entließ.

Den Faltplan zur „Spur der Steine“ bekommt man unter anderem in der KuFa-ZwischenBelegung, in der Lausitzhalle (Forum-Eingang) oder in der Touristinformation am Markt.