Kinder- & Jugend Projekte: 2011 – 1. Amateurfilmfestes

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(Lausitzer Rundschau & Sächsische Zeitung 29.08.2011)

Jurypreis für jüngsten Regisseur

Hoyerswerda Zupfen, drängeln, schubsen. Wer am vergangenen Samstagabend den Irish Pub „Black Raven“ aufsuchte und keinen Sitzplatz bekam, der fand sich entweder in einer Ecke der Lokalität wieder oder musste die Fähigkeit beherrschen, nicht ständig im Blickfeld der Zuschauer zu stehen und – „Nun geh doch mal weg“ – „Ich will was sehen“ – obendrein Stressresistenz beweisen.

Beim ersten KuFa-Filmfest „Sieben Minuten handgemacht“ durften die Veranstalter am Samstag weitaus mehr improvisieren, als ihnen lieb war. Geplant war am Abend ein Open-Air-Filmfest an der Orange Box. Doch als der Regen kam, zog man kurzerhand um: in den Irish Pub „Black Raven“. Dort wurde es dann mächtig eng. Die besonders Kulturbeflissenen unter den Zuschauern fühlten sich an Shakespeares Zeiten erinnert, wo es in den Londoner Theatern auf den billigen Plätzen oft ziemlich rüde zuging. Während die Organisatoren noch mit der Technik kämpften, wurde im hinteren Bereich der Kneipe um die besten Stehplätze verhandelt.

KuFa-Mitarbeiter Dirk Lienig eröffnete das erste Filmfest, zeigte sich erfreut darüber, dass man 17 Beiträge zeigen könne, darunter zwei Filmmusik-Adaptionen. Diese von Laien gedrehten Filme zu bewerten, war die Aufgabe einer dreiköpfigen Jury, zu denen neben Uwe Proksch, die beiden Filmautoren Olaf Winkler (Berlin) und Heike Bittner (Dresden) gehörten. In der Pause beschrieb Olaf Winkler das Dilemma der Jury. „Alle Filme sind auf ihre Art schön anzusehen, am liebsten würden wir jeden auszeichnen.“ Ging natürlich nicht. Denn die Reaktionen des überwiegend aus Jugendlichen bestehenden Publikums konnten die Juroren nicht ignorieren. Die Geschichte eines Rollators, der einsam durch die Hoyerswerdaer Neustadt rollt, das Porträt einer Behinderten oder den Film des Weißwasseraners Robert Seidel, der sich mit dem Rechtsradikalismus auseinandersetzt, der Beifall fiel nach der Vorstellung dieser Beiträge sehr intensiv aus.

Die Jury hatte sich im Laufe der Veranstaltung auf drei Bewertungs-Kategorien festgelegt: den ernsthaften Film, den Dokumentarfilm und die Komödie. Als „Piraten“, der Beitrag des jüngsten Teilnehmers, des zwölfjährigen Franz Thiem, anlief, eine Art Zeichentrickfilm, gab es schon während des knapp fünfminütigen Streifens Lacher und Szenenapplaus. Erst recht, als ein Stoffelefant das Piratenschiff zum Kentern brachte (siehe Interview).

Nach dem letzten Beitrag zog die Dresdnerin Heike Bittner ein Fazit. Die Themen seien vielfältig, die Filme handwerklich gut gemacht und alle Geschichten seien stimmig. Sie müsse zugeben, dass sie den Hoyerswerdaern solche Filme gar nicht zugetraut habe, gestand sie. Jeder Beitrag habe berührt. Aber weil es ja einen Sieger geben müsse, so Bittner weiter, habe man sich für einen Vertreter des humorigen Genres, der Komödie, entschieden. Franz Thiem erhielt den Jurypreis, der Publikumspreis ging an den Weißwasseraner Robert Seidel.

Dirk Lienig war ungeachtet der anfänglichen technischen Pannen begeistert. „Wir haben in der Stadt so viele phantasievolle Menschen“, so der KuFa-Mitarbeiter, der darauf setzt, dass im kommenden Jahr auch ältere Menschen zur Kamera greifen, um beim zweiten Filmfest dabei sein zu können. (Rainer Könen)

 

PREISTRÄGER 1.Amateurfilmfest „Sieben Minuten handgemacht“
Jury: Heike Bittner (Dresden), Olaf Winkler (Berlin), Uwe Proksch (Hoy)

Jurypreis:
Sparte Komödie

Sieger: „Piraten“ (Franz)
lobende Erwähnung: „findet Nemo“ (Jules & Co)

Sparte Drama
Sieger: “Zuhause“ (Robert aus Weißwasser)

Sparte Dokumentation
Sieger: „Tanzfilm“ (Martin)
lobende Erwähnung: „Schwarzkollm“ (Marcel)

Hauptpreis: „Piraten“ (Franz)

Publikumspreis
1.Platz “Zuhause“
2.Platz „Piraten“
3.Platz „Tanzfilm“

 

 

 

 

Mit dem Preisträger Franz Thiem sprach Rainer Könen:
Dass Du hier den ersten Platz belegen würdest, damit hättest Du wohl nicht gerechnet, oder?(Schüttelt heftig den Kopf)
Nein, wirklich nicht. Ich selbst bin total überrascht.

Aber Dein Film, von Filmemacher Dirk Lienig als Piratenklamotte bezeichnet, ist eine Art Zeichentrick-Komödie, für die es bei der Vorführung Szenenapplaus vom Publikum gab. Wie kommt man auf die Idee, solch einen Film zu drehen?
Ich spiele zuhause mit Playmobil-Figuren, da sind auch Piraten-Figuren dabei. Also stand für mich fest, dass ich einen Piratenfilm mache.

Die meisten Lacher erntete Dein Film, als während eines Sturms auf einmal ein Elefant das Piratenschiff zum Kentern bringt. Das ist doch ganz schön skurril.
Der Elefant ist mein Kuscheltier, den nehme ich jeden Abend mit ins Bett. Ich fand, dass der unbedingt in dem Film mitspielen sollte.

Wie lange hast Du für den Film gebraucht, also von der Idee bis zur Fertigstellung?
Hmm, mal nachdenken. Ein gutes halbes Jahr war es bestimmt.

Willst Du später ins Filmgeschäft einsteigen, Dich vielleicht als Regisseur versuchen?
Weiß noch nicht. Vielleicht.

Im nächsten Jahr musst Du Deinen Preis verteidigen. Weißt Du schon, was für einen Film Du dann machen wirst?
Nein. Ich gucke mal, ist ja noch etwas Zeit bis dahin.