Projekte Archiv: 2010 – 14. Liederfest Hoyschrecke

Mit der Preisverleihung in den frühen Morgenstunden und eine Auswertungsdiskussion am Sonntagmorgen endete das 14.Liederfest.

Neun Künstler und Gruppen (u.a. dabei Kannemann (Hamburg), George Leitenberger (Schweiz), Johann Meijer (Holland), Die Zunft (Wriezen/Brandenburg), Andreas Wagner (Erbach/Odenwald)) traten am Samstagabend in der Hoyerswerdaer Kulturfabrik im Wettbewerb um die ausgelobten Hoyschrecken an.
Den Publikumspreis bekam der aus Reinbek bei Hamburg lebende Timon Hoffmann für seine satirischen Texte, sein  professionelles Gitarrenspiel und seine überzeugende  Gesamtdarbietung.
Der Jurypreis ging an eine fünfköpfige  Formation, die Gruppe TEEater aus Berlin, die mit gesellschaftskritischen Texten aus dem Hier und Heute und einer geschlossenen Ensembleleistung, ganz im Stile eines traditionellen scheinbar überlebten Liedtheaters, überzeugten.

Publikumspreis
3. Platz TEEater  (Berlin) punktgleich mit Axel Stiller (Dresden)
2. Platz Andrea Kodisch  (Kosching bei Ingolstadt)
1. Platz Timon Hoffmann  (Reinbek)

Jurypreis
3.  Axel Stiller (Dresden)
2. Timon Hoffmann (Reinbek)
1. TEEater (Berlin)

2011 findet das 15. Liederfest vom 25.-27.11. statt.

Veranstalter ist der Verein Kulturfabrik e.V. mit Unterstützung von PROFOLK e.V., Gundermanns Seilschaft e.V., dem Hoyerswerdaer Tageblatt und der Ostsächsischen Sparkasse Dresden.

>>> hoyschrecke.de

Sächsische Zeitung / 29.11.2010

Zwischen Liebeslied und Gesellschaftskritik

Von Christian Völker

Bereits zum 14. Male veranstaltete die KulturFabrik am vergangenen Wochenende das Hoyerswerdaer Liederfest, bei dem Einzelmusiker aber auch kleine Gruppen im Wettstreit ihr Können präsentieren. Alle haben dasselbe Ziel: mindestens eine der beiden Hoyschrecken, die mit jeweils 500 Euro dotiert ist, mit nach Hause zu nehmen. Am Ende gewann die Gruppe TEEater die Jury-Hoyschrecke und Timon Hoffmann den Publikumspreis.

Sieben Musiker waren von einer Vorjury für das Wertungskonzert am Samstagabend ausgewählt worden. Zwei weitere hatten sich durch die Offene Bühne, welche am Freitag stattfand, zusätzlich qualifiziert.
Die ersten, die am Abend auf die große Bühne der KuFa traten, war die Gruppe TEEater aus Berlin, die am Ende die Hoyschrecke mit nach Hause nehmen durfte. Diese hatte bereits zu DDR Zeiten eine ereignisreiche Bandgeschichte. Zwanzig Jahre pausierten sie, bis sie sich im vergangenen Jahr wieder zusammenschlossen.
Die fünfköpfige Gruppe um Brigade-Feuerstein-Mitglied Ingo „Hugo“ Dietrich präsentierte einen Ausschnitt aus ihrem aktuellen Liedtheaterprogramm. In bunten Kostümen mit Gitarren, Percussion, Saxophon und kritischen Texten lösten sie bei der Jury und dem Publikum Begeisterung aus. „Wir spielen nicht nur einfach Lieder sondern machen Liedtheater. Außerdem waren wir fünf und das macht schon Eindruck und wir waren gut vorbereitet“, sagte Martin Miersch, der Texter der Gruppe, nach der Preisverleihung.
Die Stimme des zweiten Künstlers an diesem Abend ist aus der Werbung der Gelben Seiten wohl bekannt, denn Timon Hoffmann aus Reinbek bei Hamburg macht nicht nur lustige Lieder, sondern arbeitet auch als Werbesprecher.
Seine Texte bringen alltägliches auf den Punkt. Er verarbeitete die Kondom-Aussage von Papst Benedict XVI in einem Lied. Dies sicherte ihm die Sympathien des Publikums.

Im nächsten Programmpunkt ging es direkt nach Hamburg, denn von dort stammt Kannemann, der klassische Liedermacher mit Gitarre und Mundharmonika. Seine Haupteinnahmequelle ist die Straßenmusik in der Hansestadt. Diese hat ihn und seine Lieder geprägt. So singt er von Häfen, Schiffen und dem Meer.
Die anderen Künstler gingen zwar leer aus, was aber nicht für das Publikum galt. Denn das erlebte mit George Leitenberger eine Premiere. Bislang war noch nie ein Schweizer Songpoet im Wertungsprogramm der Hoyschrecke aufgetreten.
Zum anderen trugen alle Künstler zu einem einmaligen Abend bei. Und die Umbaupausen zwischen den Musikern verkürzte der zweifache Hoyschreckengewinner Michael Günther mit pfiffigen Überleitungen.
Johann Meijer aus den Niederlanden spielte diesmal nicht Gundermann auf niederländisch, sondern eigene Kompositionen.
Andrea Kodisch, einzige weibliche Solokünstlerin des Abends, präsentierte trotz bayrischer Heimat ihre Lieder auf Hochdeutsch. Axel Stiller aus Dresden und „Die Zunft aus Brandenburg“ setzten ihrerseits Akzente. Den Abschluss des Wertungsprogramms bestritt Andreas Wagner. Der ursprünglich aus Kasachstan stammende Musiker, charakterisierte sein erstes Lied als „grausam aber lustig“, denn es handelte von Piraten. In den Liedern spürte man die Mystik der russischen Seele.

Doch die Hoyschrecken gingen andere Wege.

Da jedoch neben dem Wettbewerb vor allem auch der Begegnung und den Gesprächen der Liederleute unter sich viel Platz eingeräumt werden soll, hier mal ein schöner Bericht von der offenen Bühne, den die Anja Köhler geschrieben hat (vielen Dank!!!!):

Offene Bühne – Der Hoyschrecken-Freitag am 26. November 2010
Ein generalüberholtes Konzept brachte am Freitag bei Schneesturm und fröstelnden Temperaturen viel warmes Licht und Wohlgefallen auf die Kleinkunstbühne der Kulturfabrik Hoyerswerda. Das 14. Liederfest „Hoyschrecke“ bekam eine neue Geburtsstunde – die offene Bühne am Freitagabend. Laut erwünschter Voranmeldung wollten sich mehrere Teilnehmer in die Runde begeben und der ein oder andere sich über die Publikumswertung zur Nominierung für den nun am Samstag stattfindenden Wettbewerb um die einzigartige Hoyschrecke alá Helge Niegel (Kunstschmied und Metallgestalter) qualifizieren. Die Pforten der „Kufa Hoywoy“ und das Liedercafé (auch liebevoll Songclub genannt) öffneten sich am späten Nachmittag. Das fleißige Hoyschreckenteam der Kufa bahnte den Weg für neun Teilnehmer und reichlich Kleinkunstbühnenpublikum. Neben dem bauten die Leute vom Fördererverband PROFOLK e. V. die Ausstellung „25 Jahre PROFOLK“ auf und der Gundermanns Seilschaft e. V. – ebenfalls Förderer des Liederfestes „Hoyschrecke“ bereitete den Gästen und Liederleuten positive Präsenz.

Reinhard „Pfeffi“ Ständer (ehrenamtlicher Organisator und Urgestein) moderierte durch den Abend und gab den Hinweis auf ein gleichzeitig stattfindendes TV Ereignis im Ersten „Tatort – Tod einer Heuschrecke“ bekannt. Durch das Los war die Reihenfolge der Darbietungen beschlossene Sache, was der Spannung auf den Abend im Weiteren verhalf. Denn wie jedes Jahr waren auch unbekannte Künstler aufgeführt.

Den Anfang bereitete ein musikalisch stilistisch ausgestattetes Trio – die  „Dresdner Lieder Defensive“ und gleich danach erzählte der Jungblutmusiker Axel Stiller aus Dresden in seinen Liedtexten aus dem Leben und von Tankstellen für Verlierer, bevor dann der durch großartige Projekte bekanntgewordene Johan Meijer aus Holland im sehr bewegendem Akzent mit drei Liedern wie ein Jeder viel zu kurz kam. Nachdem der Hoyerswerdaer Christian Völker auftrat und ankündigte nicht für den Wettbewerb nominiert werden zu wollen und dennoch seine Liedkunst für viel Beifall darbot, war das Publikum gerade mal bis zur Pause geführt worden. Gleich nach dieser stand Liedpoet Ulf Hartmann aus Braunschweig auf der Bühne und mit ihm ging es sanft in die zweite Runde. Gefolgt von Marianne Salz aus Hohenneuendorf, die bekannt gab, bis auf das Jahr 2005 von Beginn an das Hoyschreckentreffen zu begleiten. Dann stand der zusätzlich auch als Workshopleiter eingeladene und mit reichlich spontanem Witz versehene Berliner Günther W. Hornberger auf der Bühne, bevor dann ebenfalls der aus Berlin stammende  Viktor Hoffmann, welcher in der alten Sowjetrepublik aufwuchs, mit unvorhergesehenem Abstand das Rennen machte. Da sein Terminkalender zum Bedauern aller Anwesenden einen Gewinnerauftritt im Wettbewerb am Samstag nicht zuließ, freuten sich die punktgleichen zweitplatzierten Axel Stiller und Johann Meijer.

Kein Funk & Fernsehen wäre in der Lage das Ereignis um die offene Bühne zu präsentieren, vor allem wenn die nachfolgende Session im Songclub ihren Lauf nimmt und nicht nur die Gitarren sich gegenseitig die Saiten zuspielen…bis dann auch der Letzte sich mit warmen Herz versehen zur Nacht aufmacht.

Anja Köhler
(Teilnehmerin und ehrenamtliche Betreuerin des Songclubs 2010)