Auszeichnungen: 2015 – „Eine Stadt tanzt“ erhält „Amateurtheaterpreis“

Pressefoto Sacre internet

Kulturfabrik Hoyerswerda präsentierte:
Eine Stadt tanzt: Le Sacre du Printemps 

Neuigkeiten:

Tanzprojekt wird mit dem Sächsischen Amateurtheater-Preis 2014 ausgezeichnet!

Der Sächsische Amateurtheater-Preis wird vom Landesverband Amateurtheater Sachsen e. V. seit 2007 ausgelobt und soll künstlerische Maßstäbe für das Amateurtheater des Freistaates setzen und sächsische Theatergruppen in ihrem Bemühen um Schaffung anspruchsvoller Inszenierungen unterstützen. Der Preis wird sachsenweit ausgeschrieben.

Vergeben werden der mit 2.000 Euro dotierte Sächsische Amateurtheater-Preis sowie zwei lobende Anerkennungen (jeweils dotiert mit 300 €, gestiftet vom Förderverein des LATS e.V.). Neben dem Preisgeld erhalten der Preisträger eine Skulptur sowie eine Urkunde und die schriftliche Laudatio der Jury. Die Auswahl trifft eine vom Landesverband berufene dreiköpfige unabhängige Jury. Und diese entschied sich in diesem Jahr für die Kufa Tanzproduktion: „Eine Stadt tanzt: Sacre“
Der Preis wird uns am 23. Oktober während der Sächsischen Amateurtheatertage in Annaberg-Buchholz verliehen. TUSCH!

Die ganze Tanzkompagnie wird zur Preisverleihung anreisen und natürlich auch die prämierte Inszenierung aufführen.

Also Live: 23.10.2015, Annaberg-Buchholz beim Sächsischen Amateurtheatertreffen

 

ARCHIV:

September 2015
Nach den erfolgreichen Aufführungen in Hoyerswerda, gibt es nun ein Gastspiel in der Dresdner Theaterruine St. Pauli.
Termin: 11.10.2015, 17 und 19 Uhr.
Weitere Infos: pauli ruine

Juni 2014
Zum vierten Male gestalteten Hoyerswerdaer Laientänzer unter Anleitung der Choreografen Dirk Lienig und Judith Gamm  einen Tanzabend. Diesmal hatte man sich, im Rahmen des Kufa-Jahresprojektes „Abschied & Aufbruch“, für Igor Strawinskis Ballett „Le Sacre du Printemps“, dem Werk für den Aufbruch in die Moderne schlechthin, entschieden. Über 70 Tänzer im Alter von 7 bis 72 Jahre arbeiteten seit Januar an dem generationsübergreifenden Tanzprojekt. Die gefeierte Premiere fand am 13.6.2014 in der leerstehenden Etage des ehemaligen Centrum-Warenhauses statt.

Fr. 13.6., 20 Uhr
Sa. 14.6., 16 & 20 Uhr
So. 15.6.,  16 & 19 Uhr
im ehemaligen Centrum  – Warenhaus

Veranstalter: Kulturfabrik Hoyerswerda e.V.

Das Projekt wird gefördert durch:
Kulturstiftung des Freistaat Sachsen
Stiftung Lausitzer Braunkohle
Lausitz-Center Hoyerswerda

Mit freundlicher Unterstützung durch
Lausitz-Center Hoyerswerda,  Herr Dieter Henke
Silke und Ulf Lindner
architekten lienig und baumeister
Herr Rüdiger Siebers
AVI GmbH , Herr M . Wittek
Kjellberg Maschinenfabrik
CopyThek Bürotechnik-Servicezentrum, Herr Bernd Anders
Schuhhaus Weser, Frau Anke Küttner,
Familie Gamm, Berlin
Gina Gosch, Hoyerswerda
…sowie zahlreiche Anzugs-Spender!

Dank für Sachspenden:
Stadtsportbund Hoyerswerda
Firma Martak
Wohnungsgesellschaft gmbH

Die Kulturfabrik wird gefördert durch Kulturraum Oberlausitz / Niederschlesien  und Stadt Hoyerswerda

Eine Stadt tanzt: Le Sacre du Printemps
Produktion: Kulturfabrik Hoyerswerda

Buch & Film: Olaf Winkler, Dirk Heth, Dirk Lienig
Choreografie: Judith Gamm, Dirk Lienig
Ton und Projektion: Phase 7 Berlin
Licht: Lausitzhalle Hoyerswerda GmbH, Klaus Wichmann
Tanzteppich: Christoph Winkler
Bühnenraum, Bestuhlung, Transporte: Kufa-Mitarbeiter Mario, Maik, Ralf

Tänzer: Kufa Tanzkompanie
Regie & Projektleitung: Dirk Lienig

Rahmenprogramm:
Fr.-So. Ausstellung:
„2013 – 4 Fotografen, 365 Tage“
Tim Axelsen (Sydney), Ivanjo Arrieta (San Sebastian), Reem Algharabali (Kuwait City), Dirk Lienig (Hoyerswerda)
Layout & Gestaltung: Dorit Baumeister

Fr.: Premierenfeier mit DJ

Sa.: Konzert SOMMERPLATTE (Köln)
Sommerplatte begann mit einer Idee vom Glück: Dass sich vier Musiker, gute Freunde, jeden Sommer treffen, um ein Album aufzunehmen, Jahr für Jahr, komme, was wolle. Dass sie alles abschütteln, was nicht zur Musik gehört – Gedanken an stilistische Zugehörigkeit, Verwertbarkeit, die Steuererklärung -, und ganz aufgehen in der Magie dieses Moments. Die vier Musiker, Hanno Busch, Tobias Philippen, Claus Fischer und Florian Bungardt, sind dieser Idee tatsächlich gefolgt und haben nun ihr erstes Album als Sommerplatte vorgelegt. Was sie geschaffen haben, ist ein spannender Grenzgang zwischen verschiedenen Genres, die sich nicht nur als musikalisches Material, sondern vor allem in ihrer Haltung zu Wort melden: die Freiheit des Jazz, die loop-basierte Ästhetik elektronischer Musik, die angstfreie Schönheit von Pop. Unangestrengte Virtuosität blitzt auf, ohne je Selbstzweck zu sein. Songs täuschen altbekannte Baupläne an, um dann doch meandernd in immer neue, völlig andere Teile überzugehen. Natürlich hallen in den Aufnahmen auch die breit gestreuten Kontexte nach, in denen sich die vier Musiker außerhalb von Sommerplatte bewegen, einer Welt, in der sich ein Bogen spannt vom Hurricane Festival zu Jazz Baltica und wo so unterschiedliche Künstler wie Michael Wollny, Larry Carlton und PeterLicht musikalische Weggefährten sind. Doch die Essenz dieser Platte wird spürbar als die Freude und die Energie dieses Recordingsommers. Mögen ihm viele folgen – genau wie es der Glücksplan vorsieht.

Die fünf Aufführungen von „Das Frühlingsopfer“ am Wochenende im Ex-Centrum hatten rund 1000 Zuschauer.
Von Mirko Kolodziej, Hoyerswerdaer Tageblatt, 16.06.2014

Für manche Dinge gibt es keine Worte, um sie angemessen zu beschreiben. Das gilt zum Beispiel für das atemberaubende Duett, das die Geschwister Salomé (14) und Lawrence (12) am Wochenende fünfmal im früheren Centrum-Warenhaus getanzt haben – ebenso wie für das von Janina (38) verkörperte Solo. Die von der KulturFabrik-Tanz-Compagnie auf die provisorische Bühne gebrachte Interpretation von Igor Strawinskis Stück „Das Frühlingsopfer“ nennt Oberbürgermeister Stefan Skora „eine runde Sache – sehr professionell“ und Henrike Sandner rezensierte im mdr-Sachsenspiegel: „Es haut einen schier um, zu Strawinskis großartiger Musik völlig normale Bürger zu sehen, die mit ihren Körpern ein ganzes Leben erzählen.“

Beinahe gewalttätige Musik

Für den Zuschauer lag am Wochenende sicher eine Frage nahe: Wie kann es bei so einem Gewimmel auf der Bühne eigentlich sein, dass jeder der 70 Tänzer immer weiß, wo er wann sein muss und was er dort zu tun hat? Doch es leuchtet ein: Das Training dauerte ein halbes Jahr und vorige Woche waren die Protagonisten buchstäblich in der Dauer-Probe. Die interessantere Frage ist also eher folgende: Lässt sich mit den Mitteln von Film und Tanztheater, die Chef-Tänzer Dirk Lienig als „Bürger-Kultur-Arbeit“ versteht, tatsächlich ein unverstellter Blick auf die heutige Arbeitswelt werfen? Das Wochenende hat gezeigt: Das geht. Thematisiert wurde da nichts, das auch nur ansatzweise zum Jubeln taugt. Alle, die auf der Leinwand im Film von sich erzählten, machten klar: Leistungsdruck, ökonomische Zwänge, das Beiseiteschiebenmüssen persönlicher Neigungen hinterlassen zumindest Kratzer in Physis und Psyche. „Ich gehe als Schauspieler in ein Theater und spiele eine Rolle. Irgendwann spiele ich diese Rolle auch im eigenen Leben“, schilderte etwa Carsten (52) seinen Eindruck „normaler“ Erwerbs-Biografien.

„Die Musik war mir zu disharmonisch. Aber was die Tänzer in den Filmsequenzen erzählt haben, fand ich schon sehr interessant“, fasste eine Hoyerswerdaerin nach ihrem Besuch im ersten Obergeschoss des nun zum Lausitz-Center gehörenden Gebäudes zusammen. Ja, Strawinskis „Le sacre“ ist – beim Thema „Opferung“ naheliegend – beinahe gewalttätig. Und die Hoyerswerdaer Inszenierung ließ emotionale Verstörung durchaus zu. In diverse Bewegungsabläufe hineininterpretieren lassen sich Dinge wie Schmerz, Wut, Trauer, das der Konkurrenz-Gesellschaft innewohnende Ich-Ich-Ich, das Springen und Strecken nach der Wurst ebenso wie etwa das von anderen Menschen Aufgefangenwerden.

Die Harmonie ist weg

Heike Schwarzer meinte in ihrer Rezension im Deutschlandfunk, die Darbietung gehe unter die Haut und zeige „eine Arbeitswelt, die unmenschlich und brutal sein kann, in der Ärzte, Fernfahrer, Verkäuferinnen und selbst schon Schulkinder gegen Zeit und Erfolgsdruck kämpfen.“ Tänzer Martin (23) drückte es auf der Leinwand so aus: „Eine Firma will nicht wissen, ob man an sich selbst gewachsen ist.“ Das zeitweise Gewimmel auf der Bühne lässt sicher die Interpretation zu, dass nach Auffassung der Choreografie unserer Gesellschaft die Harmonie abhandengekommen ist. Auch dafür, dass die gehetzte Tänzerin Janina nach der Inszenierung ihres Lebens-Solos am Schluss zusammenbricht, gibt es keine passenden Worte. Man braucht sie in diesem Zusammenhang aber auch nicht. Allerdings: Die in diesem Kontext aufschlussreichste Szene des Stückes ist der erste Auftritt der Tänzer nach dem filmischen Auftakt. Sie kamen in ihren gedeckten Anzügen auf die Bühne, nahmen Aufstellung und begannen, sich zu wiegen: In die graue Masse kam Bewegung. Der Umstand, dass 70 Hoyerswerdaer sich miteinander und mit letztlich gut tausend Zuschauern in den fünf Aufführungen über den Verlust von Neigungen beim Trimmen auf Marktfähigkeit unterhalten, spricht Bände. „Das bringt jede Menge in Bewegung – die Körper, die Gedanken, die Netzwerke einer ganzen Stadt“, hieß es bei mdr-Figaro.

Dafür hat sich sicher gelohnt, nicht nur ein halbes Jahr Kraft und Hirnschmalz zu opfern, sondern auch Tanzteppich und Tontechnik aus Berlin heranzukarren, aus einem Teil des Ex-Centrums (zu zwei Dritteln leerstehend) einen passablen Bühnen- und Zuschauerraum zu zaubern und letztlich Schlüsse zu ziehen. „Wenn ich immer danach strebe, es anderen recht zu machen, dann verliere ich mich selbst“, meinte Tänzerin Sabine. Was Wunder, dass ihre Namensvetterin von der KuFa-Verwaltung am Ende von Tanzprojekt Nummer fünf einen Wunsch äußerte: „Weitermachen!“