Projekte Archiv: 2011 – Gundermann-Party

Jährlich, immer rund um den Geburtstag von Gerhard Gundermann, findet sie statt die „Gundermann-Party“.  Veranstaltet von dem Verein „Gundermanns Seilschaft“ und in Hoyerswerda mit der Kufa, geht es um die Pflege seines musikalischen Erbes, die Auseinandersetzung mit seiner Person und um Livemusik in seinem Sinne.

Motto diesmal: „hier bin ich geborn“

Los geht es um 19 Uhr mit einer Lesung und anschließendem Gespräch. Zu Gast ist der Journalist und Autor Hans-Dieter Schütt, der u.a. das seit langem ausverkaufte Buch „Gundermann- Rockpoet und Baggerfahrer“ geschrieben hatte. Schütt liest aus dem Buch und erzählt von seinen Treffen mit Gundermann.

Ab 21 Uhr beginnen im Saal die Konzerte.

Musikalische Gäste sind diesmal Ingo Hugo Dietrich und Carmen Orlet und die Band „Die geheime Gesellschaft“.

Hugo und Carmen waren bei der Hoyschrecke 2009 die Gewinner der offenen Bühne und interpretieren in ihrem Programm „Frühe Lieder – im Augenblick“ Lieder und Texte von Gundermann, F. Holländer, B. Brecht, V. v. Thoerne, Veronika Fischer u.a.m.
Mehr Infos unter: www.carmen-orlet.de

Jan Preuß und die geheime Gesellschaft kommen aus Fürstenwalde, spielen Rockchansons in deutscher Sprache mit Gänsehauteffekt. Neben eigenen Songs (CD Traumtänzer) sind dies vor allem auch Lieder von Gundermann, Rio Reiser und Leonard Cohen. Letztere auch mit deutschen Texten. Kaum zu glauben: Das funktioniert wirklich! Man darf also gespannt sein…

weitere Infos www.gundi.de

Montag, 21. Februar 2011 (Sächsische Zeitung)

Till Eulenspiegel und 100jähriger Philosoph

Von Christian Völker

Zur Hoyerswerdaer Gundermann-Party, die in diesem Jahr unter dem Motto „Hier bin ich gebor’n“ stand, las Hans-Dieter Schütt aus der „Gutenbergbibel“ für Gundi-Fans – dem Buch „Rockpoet und Baggerfahrer“, seinerzeit im Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf erschienen. Es ist heute eine gefragte Rarität, da die zwei Auflagen beim Verlag restlos vergriffen sind.

Selbst der Hoyerswerdaer Gundermann-Sammlung fehlt die zweite Auflage im Archiv. Schütt findet es schade, dass sein Buch im Internet zu Sammlerpreisen gehandelt wird. „Der Verlag sollte es lieber noch mal auflegen, damit es sich mehr Menschen leisten können“, sagt er. Einen kleinen Trost gibt es indes. Eine Neuauflage des Interview-Teils mit Gundermann erschien 2006 im Dietz-Verlag als kleines blaues Buch „Tankstelle für Verlierer“. Am Sonnabend kam diese Gundi-Bibel auf die KuFa-Kleinkunstbühne.

Schütt, der einst Chefredakteur bei der FDJ-Zeitung „junge welt“ war, wollte nach der Wende eher zuhören als schreiben: „Ich interessierte mich für andere Denkwelten“. So entstand „Rockpoet und Baggerfahrer“, wofür er zwischen 1995 und 1997 Gundi in Hoyerswerda und Berlin interviewte.

Auf dem Bagger 1417
Der Autor las zunächst aus dem Vorwort der zweiten Auflage (erschienen nach Gundermanns Todestag, dem 21.Juni 1998) und gab somit auch denen, die nicht so vertraut mit dem Hoyerswerdaer Rockpoeten sind, einen kurzen Überblick über Leben und Werk des Baggerfahrers und Liedermachers. Er zitiert aus Interviews. Aus Partei-Dokumenten (der SED). Zeigt Gundermanns Reflektion der DDR und seine Rolle im neuen Deutschland. Man erfährt vom ersten Arbeitstag des Liedermachers im Tagebau, von seiner persönlichen Bindung an Bagger 1417 und von seiner Ankunft in Hoyerswerda.

Von Schnaps und Abschaum
Originalton Gundermann: „Einen größeren Kontrast zu Weimar (1955 Geburtsort Gundermanns) konnte es gar nicht geben. Die Männer von der Steinkohle sagten immer: «Hier kriegt man die Sakima– die Sand-und-Kiefern-Macke.»“. Das Publikum lacht. Schütt lässt nochmals Gundi zu Wort kommen. Dem war eine kritiklose Hoyerswerda-Bewunderung, wie sie ihm mancher angesichts seiner „HoyWoy“-Hymnen zu unterstellen können wähnt, weitestgehend fremd: In einem Schulaufsatz schrieb er über Hoyerswerda, dass er täglich eine Tasse Schnaps brauche, um zu überleben – und dass sich der Abschaum der Menschheit hier träfe …

„Rockpoet und Baggerfahrer“ zeigt neben Gundis Lebensgeschichte auch die Wandlung einer Gesellschaftsstruktur auf. „Man denkt, der Mann ist schon 100 Jahre alt– bei der Weisheit seiner Texte“, so Schütt zum Philosophen Gundermann, den er als einen sehr fordernden Menschen und als intelligenten Till Eulenspiegel charakterisiert; einen großen Erzähler, der Dinge ausgesprochen hat, die jeden Menschen beschäftigen.

Als Schütt seine erste Begegnung mit Gundermann schildert, wird es ganz heutig: „Ich kannte ihn vorher nicht persönlich. Nur aus Versammlungen des FDJ-Zentralrates. Da ist sein Name immer im Zusammenhang mit Querelen aufgetaucht.“

Das ist wohl auch heute noch bisweilen so.