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Hoyschrecke 2004 - 8. Liedermachertreffen - Impressionen und Bilder

Hoyschrecke verteilt! Mit den "Hoyschrecken", geschmiedet vom Hoyerswerdaer Metallgestalter Helge Niegel, wurden ausgezeichnet:

Text-Preis (des Hoyerswerdaer Tageblatts)
Ralph Schüller, Leipzig

Jurypreis
1. Klaus-André Eickhoff, Aachen
2. Judith Rössler, Leipzig
3. Ralph Schüller, Leipzig

Publikumspreis
1. Judith Rössler, Leipzig
2. Duo Hösch (Höll/Scholze), Hoyerswerda
3. Ralph Schüller, Leipzig

Das Treffen endete mit dem Preisträgerkonzert und den Auftritten der Gäste Matthias Kiesling (Ex-Wacholder), Paul Bartsch & Band, sowie einem Nachtpodium mit Sebastian Birr und seinem Tucholsky-Programm. Das 9. Treffen findet 2005 wieder am letzten Novemberwochenende statt.


Presse - 29.11.2004
Hoyschrecke begehrtes Insekt in der Liedermacher-Szene
Hochkarätiger Wettbewerb der Dichtersänger in Hoyerswerda / Klaus-André Eickhoff aus Aachen gewinnt verdient

Was zeichnet einen guten Liedermacher aus? Gleich zwölf verschiedene Antworten auf diese Frage gab es am Sonnabend in der Hoyerswerdaer Kulturfabrik.

Genau so viele Einzelinterpreten und Duos hatten es in den Endausscheid des traditionellen Liedermacherwettbewerbs um die «Hoyschrecke» geschafft. Dass das Hoyerswerdaer Insekt zu den begehrtesten Preisen der Szene gehört, beweist die Tatsache, dass sich 34 Kulturschaffende aus ganz Deutschland darum beworben hatten. So musste eine Vorauswahl getroffen werden, um den Abend der Entscheidung nicht ausufern zu lassen. Dennoch wurde er zu einer vierstündigen Mammutveranstaltung.

In 24 Wettbewerbsbeiträgen bekam das Publikum die gesamte Bandbreite modernen deutschen Liedgutes vorgeführt. Dem späteren Sieger, Klaus-André Eickhoff aus
Aachen, gelang es zweifellos am besten, mit einfachen Mitteln große Wirkung bei den Zuhörern zu erzielen. Ganz allein mit sich und seinem Klavier überzeugte er mit zwei eigentlich recht simpel gestrickten Liedern, die aber gerade deshalb in ihrer pointierten Treffsicherheit brillierten. Eickhoff regte dazu an, über die kleinen Absonderlichkeiten des Alltags nachzudenken, die wir normalerweise gar nicht mehr registrieren. So zeigte er sich in einer Textpassage dankbar dafür, dass der Zeigefinger in die Nase passt ­ ohne jedoch selbigen in die Höhe zu recken. Hinzu kam eine ungemein angenehme Stimme und der perfekte Umgang mit dem Handwerksgerät ­ in diesem Falle mit dem Klavier. Klaus-André Eickhoffs Wahl zum Preisträger der Jury war also eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung, die auch im Publikum auf Beifall und Zustimmung stieß.
Denkbar knapp war sie aber trotzdem, um genauer zu sein, sie fiel bei Punktgleichheit. Die heftigste Konkurrentin des Siegers, Judith Rössler, wurde mit dem Publikumspreis ausgezeichnet, der mehr ist als nur ein Trostpreis. Die Leipzigerin war eine von nur zwei Frauen, die es ins Feld der besten Zwölf geschafft hatten, und brillierte mit gefühlsbetonten, poesievollen Gitarrensongs.
Dritter im Bunde der Preisträger war mit Ralph Schüller ebenfalls ein Leipziger. Er schlug etwas rauere, rockigere Töne an und gewann für seinen Song «Wach auf, wach ein» den Textpreis. In der Gesamtwertung der Jury belegte er den dritten Platz.

Doch auch jene, die leer ausgingen, prägten dem Abend ihren Stempel auf. Jörg Sieper aus Berlin beispielsweise, der schon im Vorjahr um die Hoyschrecke sang, zelebrierte mit einem ganz speziellen Groove die Langsamkeit und erhielt dafür als fünfter Starter die ersten wirklich lautstarken Ovationen des Publikums.

Karl-Thoral Rittel aus Potsdam nahm den eigenen Berufsstand auf die Schippe und mokierte sich über «Barden» , die in der Tiefsinnigkeit ihrer Texte geradezu ertrinken. Insgesamt waren der Alltag und die Liebe die bevorzugten Themen, Gesellschaftskritik wurde eher zwischen den Zeilen geäußert. Eine Ausnahme hierbei bildete Bernd Pittkunings, der «singende Sorbe» aus Dissen, der einen Hauch des Jahres 1968 in die Kufa brachte. Einen kraftvollen Höhepunkt des Abends setzten zweifellos die Lokalmatadoren Höll/Scholze (Hösch) aus Hoyerswerda mit ihren rockig-melodiösen, voll Inbrunst interpretierten Liedern. Jin & Jan aus Hamburg schließlich zeigten, dass sich die Liedermacherei nicht immer nur über den Text definiert ­ sie forderten die Jury gleich auf, gar nicht so sehr auf diesen zu achten. Bei ihnen kam es mehr auf die Performance irgendwo zwischen Prinzen und Ärzten an. Insgesamt also eine große Bandbreite, bei der der «klassische» Liedermacher nur eine von mehreren Spielarten ausmachte. Letztlich aber doch die erfolgreichste, wie die Auswahl der Preisträger beweist. Uwe Menschner