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Hoyschrecke 2005 - 9. Liedermachertreffen
25. bis 27.November 2005 - Rückblick

Hoyschrecke schwirren wieder aus!

Auch wenn die "Heuschrecken" in diesem Jahr zumindest umgangssprachlich etwas in Bedrängnis geraten sind, hat die Hoyerswerdaer Kulturfabrik mit ihrem Liedermachertreffen wiederum drei "Hoyschrecken" auf den freien Markt loslassen.

Zum nunmehr 9. male trafen sich in der Kufa-"Zwischenbelegung" für ein Wochenende über 33 Liedermacher zum kennen lernen, austauschen, quatschen und gemeinsamen singen.

Mit 35 Bewerbungen aus fast allen Bundesländern handelt es sich dabei um einen neuen Bewerbungsrekord. 22 davon wollten in Hoyerswerda zum ersten Mal dabei sein, darunter auch einige Preisträger aus den Vorjahren. Eine Vorjury hatte die schwere Aufgabe aus den Bewerbungen 12 Wettbewerbsteilnehmer auszuwählen. Darunter zwei Preisträgerinnen aus den vorigen Jahren und viele neue Gesichter aus u.a. Würzburg, Weimar, Erlangen, Kiel und Leipzig. Letztendlich wurden die "Hoyschrecken", geschmiedet vom Hoyerswerdaer Metallgestalter Helge Niegel, wie folgt vergeben:

Text-Preis (des Hoyerswerdaer Tageblatts)
Jan Frisch, Weimar ("Soldaten im Sand")

Jurypreis
1. Jan Frisch, Weimar
2. Sascha Gutzeit, Wuppertal
3. Judith Rössler, Leipzig

Publikumspreis
1. Sascha Gutzeit, Wuppertal
2. Judith Rössler, Leipzig
3. Jan Frisch, Weimar

Einen Bericht vom Wettbewerb gibt der unten stehende Presseartikel wieder.
 
Auch die Workshops mit Arno Schmidt (Interpretation und Liedbegleitung) und Textarbeit mit dem Autor Steffen Mensching stießen auf ein breites Interesse unter den ca. 40 angereisten Liedermachern.
Das öffentliche Lieder-Cafe-Konzert gehört ebenso zum diesjährigen Programm, wie die Kinder-Lieder-Veranstaltung am Sonntagnachmittag.

Am Samstag-Abend hatten dann die zwei Preisträger noch einmal die Gelegenheit sich ausführlicher vorzustellen. Als Gäste spielten in diesem Jahr der Liedermacher Arno Schmidt (begleitet von Frank Seidlitz) und die Gruppe "Der singende Tresen". Das Nachtpodium wurde von der Band 50Hertz bestritten. Und auch das fand trotz extrem fortgeschrittener Zeit seine Zuhörer. Bis früh um 6 Uhr wurde dann noch gejammt und gespielt.
Die erfrischende Moderation des Abends lieferte der Autor Steffen Mensching.

Veranstaltet wurde dieses Treffen von der Kulturfabrik e.V., dem Hoyerswerdaer Tageblatt, dem Verein Gundermanns Seilschaft und ProFolk e.V.
Das 10. Treffen findet 2006 wieder am letzten Novemberwochenende statt.

Uwe Proksch

Lausitzer Rundschau 28.11.2005

Die Hoyschrecke wandert nach Thüringen
Jan Frisch aus Weimar gewinnt Liedermacherwettbewerb in der Kulturfabrik Hoyerswerda

Eigentlich ist es komisch: Wird in Schulen zu künstlerischen Wettbewerben aufgerufen, dann sind es zumeist Mädchen, die sich daran beteiligen. Irgendwann im Jugendalter kippt das Verhältnis, und bei den Erwachsenen dominieren dann die Männer. Bei der neunten Auflage des renommierten Liedermacherwettbewerbes «Hoyschrecke» am vergangenen Wochenende in der Kulturfabrik zumindest war es so.

Nur vier Damen, dafür aber nicht weniger als zwölf Herren der Schöpfung wetteiferten am Freitagabend um das begehrteste Insekt der Szene. Acht Einzelinterpreten und vier Duos bildeten das Zwölfer-Starterfeld, das die Veranstalter aus 35 Bewerbungen zusammengestellt hatten ­ so viele wie bisher noch nie. Manch guter alter Bekannter fand sich darin wieder, aber auch absolute «Hoyschrecken-Neulinge» .
Die Künstler reisten aus allen Teilen der Bundesrepublik an, was sicher der beste Beweis für das große Renommee des Hoyerswerdaer Wettbewerbs ist. Leider hatte diesmal kein Kandidat aus der näheren Umgebung Berücksichtigung für den Endausscheid gefunden.

Erster Preis für «Soldaten im Wind»
Der Hoyschrecken-Wettbewerb bewies erneut, dass der Liedermacherbegriff sehr weit gefasst werden kann. Vom klassischen «Barden» mit Mundharmonika, Gitarre und Baskenmütze über den Bänkelsänger mit der Laute reichte das Spektrum bis hin zu einer rockigen Instrumentierung mit Bass und Schlagzeug. Allerhand Abwechslung also und teilweise auch was für das Auge wurde den Besuchern geboten.
Allerdings zeigte sich, dass nicht unbedingt die größte Extravaganz den meisten Zuspruch findet. So war es mit Jan Frisch ein «ganz normaler» Typ, quasi der Junge von nebenan, der bei der Preisvergabe ganz groß abräumte. Musste sich der Weimarer in der Publikumswertung noch mit dem dritten Preis begnügen, so stand er dann bei der Jury ganz oben auf den Bewertungsbögen und konnte somit die begehrte Hoyschrecke des Jahrgangs 2005 mit nach Thüringen nehmen.
Jan Frisch überzeugte vor allem durch herausragendes Können an der Gitarre, eindringlich-rauen Gesang und durch Texte fernab jeder Belanglosigkeit. Für den Beitrag «Soldaten im Wind» wurde ihm folgerichtig im Anschluss auch der Sonderpreis für den besten Liedtext zuerkannt.
Sein härtester Rivale war der Wuppertaler Sascha Gutzeit. Dessen Stück «Vorgruppe» stach in jeder Hinsicht unter den Wettbewerbsbeiträgen hervor und brachte dem Interpreten tosende Ovationen sowie später den Publikumspreis ein. Mit feiner Ironie beschrieb Sascha Gutzeit darin das Schicksal jener Musiker, die die Bühne für die großen Stars anwärmen sollen und beim Publikum doch bestenfalls auf Ignoranz stoßen.
Dritte im Bunde der Preisträger schließlich war die Leipzigerin Judith Rössler, die vom Publikum auf Platz zwei und von der Jury auf Platz drei gesetzt wurde. Sie hatte für ihre gefühlsbetonte Poesie zur Gitarre bereits im Vorjahr den Publikumspreis gewonnen.

Am Rand zur Lächerlichkeit
Bevorzugte Themen waren bei der neunten Auflage der «Hoyschrecke» der Alltag mit seinen absonderlichen Begebenheiten und die Liebe. Die Zeiten, da Liedermacher fast zwangsläufig politische Botschaften transportieren mussten, scheinen vorbei. Eine Ausnahme bildete der Berliner Holger Saarmann mit seinem Protest gegen die Castor-Transporte.
Was der Szene offenbar mehr und mehr abhanden kommt, sind Humor und Selbstironie. Vielmehr scheint der Trend wieder hin zum «Barden» zu gehen, der sich der Bedeutungsschwere seiner Texte bewusst ist und auch nicht vor dem erhobenen Zeigefinger zurückschreckt. Dass der Grat zur Lächerlichkeit dabei schmal ist, war bei der «Hoyschrecke» vereinzelt auch zu erleben.

Von Uwe Menschner