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Der Unterschied
des diesjährigen Barden-Meetings zu den vorhergegangenen:
Zur zehnten Ausgabe dieser Veranstaltung hatte man alle Preisträger
der vergangenen Jahre eingeladen. Von den insgesamt 20 waren
16 in die Zuse-Stadt gekommen. Und noch in einem anderen Punkt
unterschied sich diese "Best of"-Veranstaltung von
den bisherigen. Hatten die Organisatoren bei den freitäglichen
Wertungskonzerten Preise in drei Kategorien (Publikums-, Jury-
und SZ-Textpreis) vergeben, gab es bei der zehnten Ausgabe nur
zwei HoySchrecken zu gewinnen, wurde je Konzert ein Publikumspreis
vergeben.
Von den 16
eingeladenen Preisträgern konnten zwei das Publikum besonders
für sich einnehmen.
Wenn Liedermacher
zur Gitarre greifen, gelegentlich darf es auch ein anderes Instrument
sein, dann ist in deren Stücken häufig von Weltschmerz,
Sehnsüchten und Gefühlen die Rede. Das bewegt. Nicht
nur den Interpreten selbst, sondern rührt auch an den Emotionen
des Publikums. Was bei dem einen oder anderen Zuhörer irgendwann
notwendigerweise die Frage aufwirft, wie man zu diesen meist
so schlichten und doch so tiefgründigen Ansichten kommt.
Oder anders ausgedrückt: Was macht eigentlich so ein Liedermacher
den ganzen lieben langen Tag?
Gegen das
Alleinsein
Man müsse
aufpassen, um nicht in Depressionen zu verfallen, erzählte
Günther Hornberger, einer der Barden, die in der KuFa auftraten.
Eigentlich führten er und die Vertreter seiner Zunft ein
ziemlich einsames Dasein, so der Berliner. "Du übst
alleine, textest alleine, kümmerst dich alleine um die Auftritte,
reist alleine, trittst alleine auf", zählte der 47-Jährige
auf. Und "die Interviews machst du auch allein". Da
ist so ein Liedermachertreffen fast so was wie ein Antidepressivum.
Um der aus solch einem Leben möglicherweise entstehenden
Ichbezogenheit wenigstens temporär ein wenig entgegenzuwirken.
Meetings dieser Art seien eine hervorragende Gelegenheit, wieder
mal aus sich herauszukommen, sich "mit Kollegen auszutauschen",
so Hornberger weiter.
Das 10. Liedermachertreffen,
war dieses Mal ja so eine Art "Best of". Bei dieser
Spezial-Ausgabe ging es, im Gegensatz zu den bisherigen Wertungskonzerten,
wo Publikums-, Jury- und der TAGEBLATT-Textpreis vergeben wurden,
nur um den Hörgenuss und darum, wer auf den beiden Konzerten
am Freitag und Sonnabend das Publikum für sich einnehmen
konnte. So sah und hörte man gut aufgelegte Barden, die
mit einfühlsamen, melancholischen, teils bissig-ironischen
und unaufgeregt-bewegenden Stücken die insgesamt rund 250
Besucher an den beiden Tagen begeistern konnten.
Am Freitag, beim von Bernd Nitzsche moderierten Abend, gewann
"der heimliche Nachfahre von Reinhard Mey" (Nitzsche),
Martin Sommer, den ersten Publikumspreis. Der hat in Hoyerswerda,
bei den Liedermachertreffen, so etwas wie Kultstatus, ist sehr
beliebt, und da wunderte sich kaum einer unter den Besuchern,
dass der gebürtige Erfurter wieder eine dieser in deutschen
Liedermacherkreisen mittlerweile sehr begehrten Trophäe
erhielt. Sommer hatte in den zurückliegenden Jahren drei
Publikums-HoySchrecken gewonnen.
Und durfte zu Beginn "von Part Two des HoySchrecken-Treffens",
so Frank Oehl, der am Sonnabend durch das zweite Konzert führte,
noch mal auf die Bühne.
Im Publikum waren
am Sonnabend auch etliche Nachwuchskünstler, die Stunden
zuvor auf der Offenen Bühne aufgetreten waren. Insider hatten
den meisten der zwölf Teilnehmern, darunter auch der sorbische
Liedermacher Pittkunings, eine hohe Qualität attestiert.
Sehr niveauvoll verlief auch das zweite Konzert, bei dem acht
Liedermacher auftraten, die sich in ihrer Gefühlslage doch
erheblich unterschieden, was der Veranstaltung einen weiteren
Reiz gab. Die meisten Publikumsstimmen erhielt dann der in Wandlitz
lebende Michael Günther, der somit nach seiner Ehren-Hoyschrecke
(für Verdienste um die Organisation des Treffens) erstmalig
einen Preis im Hoyerswerdaer Wettbewerb gewann.
Am Sonntag zogen Künstler und Veranstalter ein Fazit des
Treffens, bei dem alle Teilnehmer mehr oder minder hoffnungsroh
in die Zukunft schauen. Was nicht zuletzt auch daran liegt, dass
es der Liedermacherszene keine an einem nicht mangelt: an talentiertem
Nachwuchs.
(Rainer Könen)
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