Do., 31.8. um 19 Uhr I So. 3.9. um 20 Uhr I Di., 5.9. um 20 Uhr
Eintritt: 5,- Euro | ermäßigt: 3,- Euro

BlowUp Programmkino: In Zeiten des abnehmenden Lichts

Ostberlin, im Frühherbst 1989. Wilhelm Powileit (Bruno Ganz), hochdekoriertes SED-Parteimitglied und Patriarch der Familie, wird heute 90 Jahre alt. Für die DDR, in die er 1952 aus dem mexikanischen Exil zurückkehrte und die er aus Überzeugung mit aufbaute, naht der 40. Geburtstag – es wird der letzte sein.
Wilhelm und seine Frau Charlotte (Hildegard Schmahl), einander in inniger Verbitterung verbunden, rüsten sich für Wilhelms Ehrentag. Nachbarn, Genossen und singende Pioniere treten an, um dem Genossen Powileit zu gratulieren, Blumen zu überreichen und ihm einen weiteren Orden zu verleihen. Charlotte hofft auf die Unterstützung der Familie: ihr Sohn Kurt (Sylvester Groth), der 1956 aus den Arbeitslagern der UdSSR nach Ostberlin gekommen ist, und in Ostberlin als Historiker arbeitet, Kurts russische Frau Irina (Evgenia Dodina), die er heimlich betrügt, und auch Charlottes erwachsener Enkel Sascha (Alexander Fehling) haben ihre festen Plätze im parteikonformen Jubiläumsspektakel. Doch Sascha wird heute nicht wie gewohnt den Tisch fürs kalte Buffet aufbauen. Er ist, nur wenige Tage zuvor, in den Westen abgehauen. Die Nachricht platzt in die Festgesellschaft wie eine Bombe.
Während Kurts Schwiegermutter Nadeshda Iwanowna (Nina Antonowa) in Wodka geschwängerter Runde ihre russischen Weisen anstimmt, rechnet die verzweifelte Irina mit ihrer Schwiegertochter Melitta (Natalia Belitski) und der ganzen Gesellschaft ab. Haushaltshilfe Lisbeth (Gabriela Maria Schmeide) fegt die Scherben zusammen und auch Charlottes Freundin Stine (Angela Winkler) versucht zu retten, was zu retten ist. Doch je weiter das Fest dem Ende zugeht, umso mehr brechen sich Geheimnisse ihre Bahn… Die Veränderung ist nicht mehr aufzuhalten. Es ist die Zeit des abnehmenden Lichts.

„Es wäre ein leichtes gewesen sich über diese Menschen zu erheben, sich über ihren Glauben an ein im Untergang befindliches System lustig zu machen. Doch gerade das Geschonneck und Kohlhaase einen Ton wählen, der die Agonie der DDR zwar schonungslos aufzeigt, dabei aber dennoch voller Sympathie für die Menschen bleibt, ohne sie zu verklären, macht „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ zu so einem starken Film. Denn nicht nur ein gescheitertes System ging im Herbst 1989 zu Ende, sondern auch eine Idee, ein Ideal. Dabei wird in keinem Moment verhehlt, mit welch fragwürdigen Methoden das DDR-System aufgebaut und jahrelang am Leben erhalten wurde, die Ungerechtigkeiten, die Willkür, all das. Gleichzeitig wird angedeutet, wie schwer es gewesen sein muss, sich von einem System zu lösen, etwas aufzugeben, was trotz allem jahrelang die Heimat war.“ (programmkino.de)

Regie: Matti Geschonneck
Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase
Deutschland 2017