Malblock

Worauf die alten Herrschaften aus Erfüllungsdruck oder Langeweile so kommen. Mein  Erzeuger ist der Meinung, dass sein Schlafzimmer nach einer Renovierung schreit. Also muss der Sohn beim Möbelrücken helfen.
Das zwingt mich Sonnabendfrüh ins Auto und ab nach Hoywoy.
In Rohne strahlt mich ein Plakat an – „Kunstmarkt“, der elfte schon, den die Kufa organisiert. Die Freude den Sonnabend mit ansprechender Kunst zu versüßen, vermischt sich mit dem Erstaunen wie weiträumig die Werbung gestreut wird.
Sofort fange ich an zu sinnieren, was es wohl bringe in Rohne mit Lichtmastwerbung die einheimische Bevölkerung aus ihren Blockhäusern mit den wärmenden Öfen darin, hervorzulocken.  Kaufkräftige gibt es garantiert. Aber ob der Wille oder der Geschmack ausreichend vorhanden ist, das traditionelle Haus mit moderner Kunst zu verschönern, ich weiß es nicht.
Eins weiß ich aber, ein schönes, gemaltes Bild im neuen weißen Schlafzimmer, das würde es bringen.
Na dann, schnell die Möbel gerückt und ab ins HBE, Elefantenhaus nannten es die Einheimischen  auf Grund der Größe kurz nach der Erbauung.
Die Weitläufigkeit lässt mich erst einmal  den Veranstaltungsort suchen und dann bin ich erstaunt über die Größe des Raumes und die Vielfalt der angebotenen Kunstwerke.
Mich hat es schon immer fasziniert, wie man mit der Hand Gefühle ausdrückt oder Situationen darstellt, sei es mit Pinsel und Farbe, mit Stein und Meißel, nur mit Bleistift und Papier oder sonst wie.
Es spricht mich an, das Bild oder die Skulptur oder eben auch nicht, aber der Respekt und das Erstaunen vor dem Handwerk und der Realisierung der verschiedenen Techniken ist immer da.
Die Achtung  vor der Kunst und das Wissen um die Seelenkraft, die damit verbunden ist, lässt mich über die Auspreisung drüber weg schauen.
Mich freut es, mir bekannte einheimischen Künstler, durchweg alter Herren, die einen Abend vorher in Weißwasser in einer kleinen  Ausstellung auch in dieser Stadt für Seelenfutter gesorgt haben, anzutreffen und ins Gespräch zukommen. Die ergrauten Herren wissen, was sie tun und sie wissen, was sie nicht tun.
Mit der Entscheidung zum wiederholten Mal am Kunstmarkt teilzunehmen, taten sie richtig.
In einem kurzen Gespräch mit dem Wart gab ich ihm zu verstehen, dass auch diese Veranstaltung ihre Berechtigung hat und die Weiterführung nur zu wünschen ist und diese Erkenntnis mit den damit verbundenen Erlebnissen, mich zu diesem Malblock inspirieren wird.