Projekte Archiv: 2005 – Musical «Malvina»

Gundermann Musical „Malvina“ in der KuFa-Aufführung

Pressestimmen
Die Erinnerung lebt

Von Rainer Könen

Das Wochenende war in der KuFa einem Menschen gewidmet: dem vor fast genau sieben Jahren verstorbenen Liedermacher Gerhard Gundermann.

Klaus Polling lebt in Hamburg. Was ja eigentlich ganz schön weit von Hoyerswerda entfernt ist. Nicht nur im geographischen, sondern auch im kulturellen Sinne. Dennoch hat der 61-jährige Klaus Polling ein Faible für einen Menschen, der eng mit der Hoyerswerdaer Kulturszene verbunden war, ja, um nicht zu sagen, sie sehr intensiv und vor allem sehr nachhaltig geprägt hat: Gerhard Gundermann. Als Klaus Polling vor fünf Jahren erstmals ein Stück von dem vor sieben Jahren verstorbenen Liedermacher hörte, „war ich von seinen Liedern, ganz besonders von seinen Texten sehr ergriffen“. So sehr, dass er zwei Jahre später dem Verein „Gundermanns Seilschaft“ beitrat.

malvina1Dem Jenenser Thomas Bachmann war Gundi schon zu dessen Lebzeiten ein Begriff gewesen, doch erst in diesem Jahr trat der 43-Jährige dem Verein bei, der sich am Wochenende zur alljährlichen Mitgliederversammlung in der Hoyerswerdaer KulturFabrik traf, wo man denn auch nicht nur sehen, sondern auch hören konnte, „wie das Erbe von Gundermann hochgehalten wird“, so Bachmann.

Ein Großteil der 103 Mitglieder war nach Hoyerswerda auch aus dem Grunde gekommen, um einer Premiere beizuwohnen, die nicht nur an den Liedermacher erinnern sollte, sondern „ihn ganz besonders den jungen Menschen ins Bewusstsein rücken soll, jungen Menschen, die von ihm möglicherweise noch nie was gehört haben“, wie das Bernd Nitzsche, einstiger Mitstreiter von Gundermann, vor der Aufführung des Märchenmusicals „Malvina“ meinte.

Malvina. Dieses Stück, das der Hoyerswerdaer Barde ins Leben gerufen hatte, wurde am Sonnabend wieder belebt. Mit jungen Darstellern, die von Regisseurin Elke Förster, von Bernd Nitzsche und Musikschulleiter André Bischof in den zurückliegenden sechs Monaten gecastet und auf diese Aufführung vorbereitet worden waren.

Kurz vor Beginn der Aufführung war der Veranstaltungssaal in der KulturFabrik dicht gefüllt. Dann erwartungsvolle Stille zu Beginn des Märchens, als „Tränchen Traurig“ die Bühne betritt und sich über die böse Welt beklagt. Schon da bekam man den Eindruck, dass die 15- bis 24-jährigen Darsteller wussten, welche Hoffnungen, welche Erinnerungen die Zuschauer mit diesem Stück verbinden, dieses Märchenmusical der Brigade Feuerstein, in dem das Mädchen Malvina von Alfa Zalfa verzaubert wird und Tränchen Traurig und Tom Dideldei versuchen, sie aus den Fängen dieser Hexe zu erretten.

Das Kultstück, es begeisterte nicht nur die zahlreichen Kinder, die es den Darstellern im Verlaufe der folgenden 90 Minuten oftmals nicht leicht machten, sich an den Text zu halten. Doch störten die mitgefühlten Zurufe der Kleinen nicht, eher erheiterten sie das Publikum und die jungen Schauspieler, die da oft Mühe hatten, ernst zu bleiben. In diesen Momenten zeigte sich die Qualität der jungen Schauspieler, die die Zurufe der Kleinen elegant mit ins Stück einflechten konnten.

Nicht nur die Kids waren begeistert, auch die Erwachsenen ließen sich anstecken von der lebhaften Vorführung, der überzeugenden Präsenz der Schüler und Studenten auf der Bühne. Am Rande saß Regisseurin Elke Förster, soufflierend und auch insgeheim hoffend, dass alles gut gehen möge. Bernd Nitzsche, der die Jugendlichen musikalisch präpariert hatte, schaute ebenfalls gebannt auf das, was sich da vor ihm abspielte.

Als Malvina gerettet wird und ins Leben zurückfindet, das Stück aus ist, brechen alle Dämme in der KulturFabrik. So sagt man das wohl, wenn Begeisterung sich ungebrochen ihren Weg bahnt.

Der Beifall nahm kein Ende. Als alle Darsteller, mit Rosen beschenkt, sich noch einmal vor dem Publikum verneigten, war es dann doch auch um die Fassung von Regisseurin Elke Förster, von Bernd Nitzsche und auch der Witwe des verstorbenen Liedermachers, Conny Gundermann, geschehen. Tränen der Freude, der Rührung flossen. „Ich habe den Eindruck, als ob Gundi noch immer unter uns ist, ich hoffe, er hat es von oben gesehen, wie sehr wir an ihn denken“, gab sich Bernd Nitzsche ganz gerührt. Conny Gundermann fand, dass „das Vermächtnis von Gundi in den jungen Menschen weiterleben wird“. Sie sei so froh, dass die Wiederaufführung von Malvina so gelungen sei. Auch die Mitglieder von Gundermanns Seilschaft, besonders die älteren unter ihnen, waren beeindruckt. Klaus Polling aus Hamburg ebenfalls. „Ich habe noch nie ein solch intensiv aufgeführtes Märchen gesehen“, gestand er.