Urgestein aus Hoyerswerdschen Blöcken gemeißelt

Auf der Heimfahrt von einer Geburtstagsfeier in der Kufa, diesmal über Lohsa, fragte ich mich, ob es nur noch Ü-30 Partys gibt. Die Anzahl der Werbeplakate für dieses wohl nie ausstrebenden Event überstieg das zusammengerechnete Alter der zwei Urgesteine, die am Vorhabend zur Party  in die Kulturfabrik geladen haben bei Weitem.

Das ist gar nicht so leicht, da die beide Jubilare  die 30 weit überschritten haben.
Aber nicht nur aus diesem Grund würden die beiden Gründungsmitglieder des Vereins  niemals auf den Gedanken kommen, das HBE für solch eine Massenveranstaltung zu betreten.

Nein,  zum Theater und Film, das würden sie, das tun sie.
Und das schon sehr lange und am liebsten in der Kufa, bei dem Alter, vorher in der bleiernen Zeit im FMP oder Laden.

Natürlich nicht als schnöde  Konsumenten, als Akteure würden sie auftreten in der doch manchmal  mit Ü30 Partys  verseucht scheinenden Kulturlandschaft.

Wenn solch alte geballte Kulturarbeit einlädt, kommen sie alle, die die Eintönigkeit der Blocklandschaft in dieser Stadt mit Kultur erträglich machen und gemacht haben.
Also auch alte Mitstreiter und Freunde, die die Stadt schon lange verlassen haben und ihr Glück als Musiker, Maler, Germanisten oder Filmforscher in anderen Metropolen  mit und ohne Ü30 Partys versucht haben.
Ja, da bin ich gern dabei und mache meine Aufwartung; in alten Zeiten schwelgen den einen oder anderen Wodka zu viel trinken, lachen und sich über den doch etwas moderneren DJ beschweren. Der wäre bei einer Ü30 Party besser aufgehoben gewesen.

Einer der Geburtstagsmänner fragt mich um 0 Uhr 30, ob ich „schon gehen will“.
Die Antwort ist „Jein!“ Es war sehr schön, aber ich bin ja erst vierundvierzig und will noch zu einer Ü dreißigparty. Ein  Lächeln beendet die Verabschiedung.

Das Taxi bestellt  und ab ins elterliche Heim.
Beim Versuch einzuschlafen, denk ich: viel zu kurz, um alle alten und neuen Geschichten der verwurzelten und herausgerissenen Urgesteine zu erfahren.
Na ja, beim hoffentlich nächsten Mal… und der stete Kulturtropfen höhlt den Block.

Welsch Kauder