Projekte Archiv: 2014 – EINE STADT TANZT: LE SACRE DU PRINTEMPS

VORFÜHRUNGEN: 5 VERANSTALTUNGEN – LEERSTEHENDES KAUFHAUS CENTRUM WARENHAUS HOYERSWERDA / 13. – 15. JUNI 2014
Gastspiel Theaterruine St. Pauli Dresden / Sonntag 11. Oktober 2015
Gastspiel 17. Sächsischen Amateurtheatertage 23. Oktober 2015

Awards: Sächsischer Amateurtheater-Preis für die beste Inszenierung 2014

Beschreibung:
Die meisten von uns kennen das sicherlich, das Spannungsfeld zwischen eigenen Neigungen oder Tätigkeiten, die man liebt zu tun und der ‚Not‘, sich irgendwann für eine Erwerbstätigkeit festlegen zu müssen. Was am Arbeitsmarkt zählt sind allein Fähigkeiten für die der Mensch ein Einkommen erhält, um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, um seine Freizeit zu gestalten und einem Hobby zu frönen. Ein Tauschgeschäft – Einkommen für Zeit.
Im Januar 2014 finden sich 74 Einwohner zusammen, um Teil eines Kunstprojektes zu werden. Ihr Ziel, die Suche nach einer modernen Deutung des ‚Frühlingsopfers‘. Choreographisch, in Interviews und Videosequenzen werden unsere Deutungen des ‚Frühlingsopfers‘ auf der Bühne kombiniert – basierend auf den filmischen Portraits der Tänzer, die zum einen Wunschbilder einer sozialen Zukunft formulieren, zum anderen biografische Brüche ihrer Neigungen zeigen, ausgelöst durch Elternhaus, Schule, Berufsausbildung, Studium und Arbeitsleben.

Deutschlandradio
‚In Hoyerswerda tanzen Laien aus allen Berufen und jeden Alters regelmäßig zusammen und sie erzählen immer wieder über neue Seiten ihres Lebens. Und wie sie das machen, geht tief unter die Haut.‘

TV MDR ‚Sachsenspiegel‘
‚Es haut ein schier um zu Strawinskys großartiger Musik völlig normale Bürger zu sehen, die mit ihren Körpern ein ganzes Leben erzählen.‘

Auszug aus der Laudatio zur Preisverleihung des Theaterpreises von Sebastian Eggers
‚Theater kann ermächtigen. Es kann dem Bild des Roboters ein anderes Bild von Menschen entgegen setzen: Menschen als spürende, mitfühlende und suchende Wesen, die Anforderungen ausgesetzt sind und ihnen nicht blind erliegen, sondern an ihnen wachsen und bewusst Gemeinschaft gestalten.
Somit verführt das Projekt „Le Sacre du Printemps“ der Kulturfabrik Hoyerswerda unter der Leitung von Dirk Lienig nicht nur zum Tanzen: Es verführt zum Leben.‘

Credits:
Tänzer: KUFA Tanzkompanie
Regie & Projektleitung: Dirk Lienig
Buch: Olaf Winkler / Dirk Heth / Dirk Lienig
Choreografie: Judith Gamm / Dirk Lienig
Musik: Igor Strawinsky
Technik: phase 7 / Christoph Winkler / Sound & Light Jerominek
Licht: Lausitzhalle Hoyerswerda GmbH

Veranstalter: Kulturfabrik Hoyerswerda
Mit freundlicher Unterstützung durch:
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Kulturraum Oberlausitz / Niederschlesien
LausitzcenterStiftung Lausitzer Braunkohle
Stadt Hoyerswerda
lienig & baumeister architekten
Silke & Ulf Lindner

 

Presse 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hoyerswerdaer Tageblatt Mittwoch, 2014
Text: Mirko Kolodziej

Sie tanzen wieder

Die Tänzer der KulturFabrik haben mit Proben für ein neues Stück begonnen.

So etwa wie Ferienlager oder Klassentreffen muss man sich die Atmosphäre vorstellen, die vorgestern am Abend in der Aula der Grundschule „An der Elster“ im Hoyerswerdaer WK II Raum griff. Alle waren sie wieder da: Silke, Torsten, Michael, Ute, Brigitte und all die anderen, die mittlerweile so eine Art Ensemble bilden – die Tanz-Compagnie der KulturFabrik. Gut 40 Freizeittänzer, darunter auch einige Neulinge, fanden sich zum ersten Training für das neue Stück ein – Tanztheater um die heutige Lebens- und Arbeitswelt nach der Musik von Igor Strawinskis Ballett „Le Sacre du Printemps“. Es fliegen also wieder Arme und Beine. Es wiegen sich Körper. Es kreisen Schultern. Und es wird geschwitzt.

Doch zu Anfang gab es Lachen, Umarmungen und vor Freude strahlende Gesichter. „Es geht hier familiär zu“, stellte die 16-jährige Judith Mietzsch also fest. Das Mädchen hat bereits im vorigen Jahr beim KuFa-Tanzprojekt Nummer vier ein paarmal am Training teilgenommen. Nun will Judith durchziehen. Schließlich hat ihre Mutter Barbara schon an zwei Projekten mitgewirkt. Auch Judiths Geschwister sind tänzerisch aktiv. Julian (12), Jasmin (15) sowie Juliane (22) sind ebenso wiederholt mit von der Partie – letztere sogar bereits zum fünften Mal. Heike Schröter stieg ebenfalls schon 2010 ein, als „Cheftänzer“ Dirk Lienig erstmals Tanz-Laien zu Proben einlud. „Ich hatte damals gar nicht vor, mitzumachen“, erzählt die Pädagogin. Die Neugier trieb sie zum ersten Treffen in die KuFa-ZwischenBelegung. Heike Schröter wollte gern wissen, was aus Dirk Lienig geworden ist, dessen Klassenlehrerin sie einmal an der POS 19 „Paul Hornick“ im WK IX war.

Choreographien ab März

Inzwischen sagt sie: „Man freut sich, wenn man alle wiedersieht.“ Heike Schröter hat keines der Projekte ausgelassen, nachdem sie 2010 feststellte, wie viel Spaß ihr die Sache bereitet – und wie gut sie der Kondition tut. An der Fitness wird nun auch zunächst hinsichtlich „Le Sacre“ gearbeitet. Erst im März will Dirk Lienig mit den Choreographien beginnen. Dann wird auch wieder die Choreographin Judith Gamm dazustoßen, die schon 2011 bei „Eine Stadt tanzt II“ geholfen hat. Damals war ebenso schon der Dramaturg Olaf Winkler beteiligt. Er half, die Inszenierungs-Idee vom Wunder zu entwickeln, das über Nacht aus Hoyerswerda so eine Art Paradies für jedermann machen würde. Am Montag war der Filmemacher mit seinem Kollegen Dirk Heth mit Kamera und Mikrofon bei der ersten 14er Probe aktiv. Schließlich soll „Le Sacre“ wie die vorangegangenen vier Projekte wieder eine Melange aus Tanz und Film werden. „Keine Angst, wir machen kein klassisches Ballett“, beruhigte Dirk Lienig die Compagnie zum Proben-Auftakt. Der gemeinsame Besuch einer „Le Sacre“-Aufführung in Cottbus hatte einige Tänzer nämlich schon etwas zittern lassen.

Alle, versichert der frühere Profi-Tänzer und heutige Filmemacher, sollten sich dieses Jahr wie üblich wieder auf der Bühne wohl fühlen können. Stehen soll sie im Sommer in der zweiten Etage des früheren Centrum-Warenhauses – nach Energiefabrik Knappenrode, Tanzhalle Dörgenhausen und Lausitzhalle der mittlerweile dritte Auftrittsort. Wobei: Voriges Jahr tanzten viele von der Compagnie auch im finnischen Huittinen. Und ein Film über „Hoyerswerda tanzt II“ lief 2011 im nordirischen Belfast. Im selben Jahr gewann ein Kurzfilm von Martin Rattke über Projekt Nummer 2 bei einem Filmfest in Leipzig. Die Wissenschaft hat sich ebenfalls schon mit dem Phänomen befasst. Anthropologe Felix Ringel erklärt in seiner Doktorarbeit über „Hoffnung und Zukunft in Deutschlands am schnellsten schrumpfender Stadt“ unter anderem, auf welche Weise die Tänzer durch ihre Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Fragen die nähere Zukunft ihrer Heimatstadt mitgestalten und so gleichermaßen mitverändern.

Dirk Lienig ist das zwar klar, aber übers Knie brechen wird er auch in diesem Jahr nichts. „Mal gucken, wohin uns das führt“, machte er den Tänzern klar, welch großen Einfluss ihre Persönlichkeiten auf das Endprodukt wiederum haben werden.

Wer noch mitmachen möchte, ist montags und freitags beim Training im WK II willkommen. Mittwochs wird in der Turnhalle der Neustadt-Oberschule im WK VI geprobt. Beginn ist an allen drei Tagen jeweils um 19 Uhr.