Neuigkeiten: 2019 – Eine Stadt tanzt: HOY! is‘ wer da?

Ein soziokulturelles Tanztheater-Projekt der KuFa Hoyerswerda

Eine Stadt tanzt: HOY! is wer da? 

Stellen wir uns das Gefühl von „Einsamkeit“ vor – als einen personifizierten Tischgenossen unseres Lebens, ja einer ganzen Stadt! Ein Wesen, das nicht eher ruht, bis es den letzten Einwohner einer Stadt verschlungen und zu seinesgleichen gemacht hat! Das neue Stück der Kufa-Bürger-Tanzkompagnie unter der Leitung des Choreografen Stéphane Le Breton setzt dabei ganz auf die, persönlichen Erfahrungen und Umgang der Tänzer mit dem Thema „Einsamkeit in Hoyerswerda“.

Dabei wechselt das Stück beständig seine Perspektiven. Mal fragt es schwermütig-ernsthaft, mal heiter-ironisch: Wie ist es, plötzlich in einer Stadt allein zu sein? Wie ist es, jemanden allein zu lassen? Welche Wahrheit steckt in der sprachlichen Wendung „gemeinsam einsam“? Ist Einsamkeit einfach plötzlich da? Oder weg? Ist sie schleichender Prozess? Unvorhersehbar eintretende Konsequenz? Kann sie sogar Schutz sein, um zu genesen? Hat sie, die Menschen einander verbindende Elemente?
Das Stück treibt seine Fragen zugleich auf die Spitze: Welche Lösungsstrategie kann man gegenüber diesem gefräßig-gierigen Tisch- und Lebensgenossen entwickeln?
Raten Sie mal! Sie ist überraschend einfach.

In ihrem siebten Projekt wechselt die Kufa-Bürger-Tanzkompanie das Genre. Statt bewährter dokumentarischer Handlung wird diesmal ein Gedankenspiel gewagt. So entsteht ein Tanztheater-Stück mit grimmig-komischen Szenen, melodramatischen Metaphern und wild-burlesken Bildern.

Dabei wird der komplette Veranstaltungsort – das Bürgerzentrum Hoyerswerda – zum Gesamtkunstwerk erklärt. Eine künstlerisch verfremdete Innenarchitektur, eine Rauminstallation des Dresdner Künstlers Roland Zigan, ein Live-Konzert der australischen Cellistin Lih Qun Wong, Videosequenzen vom Berliner Videokünstlers Timm Ringewald  sowie Soundcollagen vom italienischen Künstler Deimos Virgillito ergänzen die multimediale Tanzaufführung.

 „Ziehende Landschaften“ von Hilde Domin: 

Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muss den Atem anhalten,
bis der Wind nachlässt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es an das Grab
unserer Mütter.

Vorstellungen: 16.11.19.,  14 / 17 / 20 Uhr    und   17.11.19,  15 / 18 Uhr

 

Hoy is’ wer da?
Was passiert mit Menschen, die in einer Stadt leben, die von Wegzug geprägt ist. Warum sind sie „noch“ da? Gibt es soziale Verluste und Hoffnungen? Wie geht der Mensch mit sozialer Einsamkeit um? Die Tanzkompanie der KuFa Hoyerswerda macht sich tänzerisch auf die Suche nach Antworten.
Das Gesamtprojekt besteht aus drei Ebenen, die sich bis zum Aufführungszeitpunkt immer enger verweben.

Ebene 1: Bürger Flashmob
Ab dem Frühjahr 2019 wird die Tanzkompanie der KuFa in Hoyerswerda an öffentlichen Räumen und Plätzen, wie zum Beispiel im Lausitz-Center, Marktplatz u.Ä. unangekündigte, kurze und choreographierte Tanzszenen performen, um auf die Thematik des neuen Tanzprojektes aufmerksam zu machen.

Ebene 2: Rahmenprojekte + Rauminstallation mit Plastiken, Video und Musik.
Schon beim Betreten der KuFa wird der Zuschauer in die Thematik des Tanzabends eintauchen. In Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Roland Zigan und der Medienwerkstatt der Kufa werden alle öffentlichen Räume der KuFa in eine thematisch strukturierte Installationsfläche umgestaltet. Der Künstler wird eigens dafür neue lebensgroße Plastiken vor Ort anfertigen. Diese bleiben nach dem Projekt der Öffentlichkeit erhalten. Thematisch passende Beiträge der Medienwerkstatt werden ihren Platz finden sowie eine Ausstellung des Fotostammtisch über die Probenarbeit und den Flashmob -Auftritten.

Ebene 3 : Das Tanzstück selbst.
In tänzerischen Portraits wird der persönliche Umgang mit dem Thema der sozialen Vereinsamung im context des immer stärker voranschreitenden Wegzugs von den in Hoyerswerda lebenden Tänzern bearbeitet, die damit sowohl eine Momentaufnahme zeigen, als auch persönliche Wünsche und Hoffnungen formulieren.

 

Mitwirkende:

Tanzkompanie der Kulturfabrik
Musikkomposition + Cello Live Performance: Lih Qun Wong
Skulptureninstallation: Roland Zigan
Video Projektionen: Tim Ringewald
Sound und Musikcollagen: Deimos Virgillito

Regie, Choreografie, Inszenierung: Stéphane Le Breton
Projektorganisation: Dirk Lienig, Uwe Proksch, Sabine Proksch
Projektassistenz: Sabine Daul, Ramona Schauer, Janina Gräser,
Dramaturgische Beratung: Olaf Winkler
Bühnenbild: Stéphane Le Breton, Michael Melerski
Rauminstallation: Dorit Baumeister

Filmaufnahmen: Rico Hofmann, Dirk Lienig
Licht und Ton: Maik Pillokat, Michael Kubo, Ralf Jerominek
Aufbau: Mario Petermann / Maik Hille
Technischer Leiter: Silvio Paul
Dokumentation: Falk Hoysack
Plakat, Flyer, Programmheft: Dorit Baumeister
Laudatio Vernissage: Michael Kruscha

Infos zu den Mitwirkenden:

Tanzkompanie der Kulturfabrik
siehe: www.kufa-hoyerswerda.de/workshops/tanz/tanztheater

Choreografie + Inszenierung: Stephane Le Breton
1986 bis 1993 Studium an der Ballettschule der Oper Leipzig. Abschluss als staatlich anerkannter Bühnentänzer, tanzte als Solist für Birgit Scherzer und andere, namhafte zeitgenössische Choreografen bis 2006. 1998 Choreografie-Studium an der HfS „Ernst Busch“ in Berlin. Seine choreografischen Arbeiten erreichten Nominierungen bei internationalen Wettbewerben wie dem Prix Dom Pérignon des Hamburger Balletts und bei den Stuttgarter Solo-Tanz-Theater-Festivals. Gastierte beim Secret Solo in München, mit verschiedenen abendfüllenden Tanzstücken und spartenübergreifenden Kunstprojekten u.a. am Staatstheater Karlsruhe, Werk 2 Leipzig und der Bühne des Stuttgarter Künstlerbund, sowie mit einer Auftragsarbeit für das Cabildo de Lanzarote im Höhlentheater Jameos del Aqua. Seit 2014 Freiberuflicher Choreograf, Regisseur Concept-Creative battleROYAL Berlin, SLIKK Showacts, TRIVAGO, Palazzo GmbH (Hamburg, Stuttgart, Graz, Nürnberg), Kulturhaus Rüdersdorf, KuFa Hoyerswerda: Eine Stadt tanzt – Manifest (2018)

Komposition + Live Performance: Lih Qun Wong
Die Cellistin hat für das Projekt eine eigene Komposition beigesteuert und wird diese Live auf der Bühne performen. Vor der Aufführung wird sie in einer 15 minütigen Komposition den Rauminstallationen von Roland Zigan Leben einhauchen. Auf diese Weise wird der Zuschauer, sobald er das Gebäude betritt auf die Tanz – Performance eingestimmt.

Projektbegleitende Rauminstallation kreiert und inspiriert vom Dresdner Bildhauer und Künstler Roland Zigan
Das Konzept sieht vor, aller öffentlichen und einsehbaren Bereiche des Bürgerzentrums an den Aufführungsdaten in eine Installationsfläche umzugestalten mit dem Thema: Innere und äußere Leere – was passiert mit Menschen, die in einer Stadt leben, deren Einwohnerzahl sich stetig verringert. Dafür entsteht eine Skulptureninstallation von Roland Zigan, sowie eine Rauminstallation in Zusammenarbeit mit Stepane Le Breton. Die lebensgroße Gipsplastiken, die nach Projektende in der KuFa verbleiben werden, begeben sich als Zeugen des Abends im Laufe des nächsten Jahres auf eine Beobachter-Tour durch unsere Stadt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Projekt wird gefördert durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung und die Lausitzer Seenlandstiftung
Sponsoring Filmdokumentation : Praxis Dr. Silke und Ulf Lindner

 

 

 

 

 

 

 

Statements zum Projekt:

Uwe Proksch
12 Monate intensive Arbeit haben sich mehr als gelohnt. Etwa 700 Besucher waren fasziniert von der neuen Produktion unserer Tanzkompagnie, diesmal unter Leitung des Choreografen Stephan Le Breton.
Was für ein Erlebnis und Wechselbad der Gefühle, durch welches uns die 40-köpfige Truppe schickte. Glücksgefühle, Tränen, Gänsehaut, Staunen über die Qualität und die Vielfalt der Regieeinfälle.
Obwohl es sich bereits um die sechste Inszenierung der Kufa-Tanzkompagnie handelt, ist es den Protagonisten auch diesmal gelungen etwas völlig Neues und Anderes entstehen zu lassen. Den entscheidenden Anteil daran trägt diesmal der künstlerische Leiter Stephan LeBreton mit seiner Kreativität und seinem Einfühlungsvermögen für unsere Stadt und die mit ihm arbeitenden Tänzer und künstlerischen Mitarbeiter.

Stephan LeBreton
Keine 2h nach der letzten sehr bewegenden Vorstellung heute war die Magie vorbei. Schon jetzt kann ich sagen das dieses Projekt ein Meilenstein und Höhepunkt in meiner Karriere als Choreograf und Regisseur ist und bleiben und in seiner emotionalen Intensität und Kraft nur schwer zu toppen sein wird. Was für ein Jahr. Hoy ist mir ans Herz gewachsen. Neue Freundschaften aus den Reihen der Tänzer bereichern mein Leben. Das Antidot wirkt. Mein Dank geht an alle. Mein Team. Das kufa Team. Den Förderern. Allen die vertrauen hatten und mitgeholfen haben dieses außergewöhnliche Projekt zum Leben zu erwecken.

Tanzkompagnie
Mittlerweile ist es unglaubliche zwölf Monate her, dass die Tanzkompanie erstmals zum Training für das neue Projekt zusammenkam.
Seitdem ist viel passiert.
Wir sind anfangs immer mehr geworden und auch mal wieder geschrumpft. Damit können wir umgehen. Verlassen haben wir uns nie gefühlt. Wir sind zusammengewachsen und über uns hinaus. Die Zeit stand still und ging doch viel zu schnell vorbei.
Am Ende schauen wir auf eine bewegte Zeit zurück. Das Erreichte ist größer als wir.
Vor jedem Zuschauer und Unterstützer verneigen wir uns und hoffen Inspiration sein zu können.
Denn Stillstand ist kein guter Gefährte.
Gestärkt und dankbar gehen wir in die Zukunft.