15.11.2019 | 20:00 Uhr

Eine Stadt tanzt: HOY! is‘ wer da?

Ein soziokulturelles Tanztheater-Projekt der KuFa Hoyerswerda

Eine Stadt tanzt: HOY! is wer da? 

Stellen wir uns das Gefühl von „Einsamkeit“ vor – als einen personifizierten Tischgenossen unseres Lebens, ja einer ganzen Stadt! Ein Wesen, das nicht eher ruht, bis es den letzten Einwohner von Hoyerswerda verschlungen und zu seinesgleichen gemacht hat! Das neue Stück der Kufa-Bürger-Tanzkompagnie unter der Leitung des Choreografen Stephane Le Breton setzt dabei ganz auf die, persönlichen Erfahrungen und Umgang der Tänzer mit dem Thema „Einsamkeit in Hoyerswerda“.
Dabei wechselt das Stück beständig seine Perspektiven. Mal fragt es schwermütig-ernsthaft, mal heiter-ironisch: Wie ist es, plötzlich in einer Stadt allein zu sein? Wie ist es, jemanden allein zu lassen? Welche Wahrheit steckt in der sprachlichen Wendung „gemeinsam einsam“? Ist Einsamkeit einfach plötzlich da? Oder weg? Ist sie schleichender Prozess? Unvorhersehbar eintretende Konsequenz? Kann sie sogar Schutz sein, um zu genesen? Hat sie, die Menschen einander verbindende Elemente?
Das Stück treibt seine Fragen zugleich auf die Spitze: Welche Lösungsstrategie kann man gegenüber diesem gefräßig-gierigen Tisch- und Lebensgenossen entwickeln?
Raten Sie mal! Sie ist überraschend einfach.

In ihrem siebten Projekt wechselt die Kufa-Bürgertanz-Kompanie das Genre. Statt bewährter dokumentarischer Handlung wird diesmal ein Gedankenspiel gewagt. So entsteht ein Tanztheater-Stück mit grimmig-komischen Szenen, melodramatischen Metaphern und wild-burlesken Bildern.

Dabei wird der komplette Veranstaltungsort – das Bürgerzentrum Hoyerswerda – zum Gesamtkunstwerk erklärt. Eine künstlerisch verfremdete Innenarchitektur, eine Rauminstallation des Dresdner Künstlers Roland Zigan, ein Live-Konzert der australischen Cellistin Lih Qun Wong, Projektionen auf Video-Segel vom Berliner Videokünstlers Timm Ringewald und die Akteure der Kufa-Theatergruppe „einmaldiewoche“ ergänzen die multimediale Tanzaufführung.

 

 „Ziehende Landschaften“ von Hilde Domin: 

Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muss den Atem anhalten,
bis der Wind nachlässt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es an das Grab
unserer Mütter.


Premiere: 15.11.19, 20 Uhr
Vorstellungen: 16.11.19., 14 / 17 / 20 Uhr
und 17.11.19, 15 / 18 Uhr

Der Kartenvorverkauf startet demnächst!

Hoy is’ wer da?
Was passiert mit Menschen, die in einer Stadt leben, die von Wegzug geprägt ist. Warum sind sie „noch“ da? Gibt es soziale Verluste und Hoffnungen? Wie geht der Mensch mit sozialer Einsamkeit um? Die Tanzkompanie der KuFa Hoyerswerda macht sich tänzerisch auf die Suche nach Antworten.
Das Gesamtprojekt besteht aus drei Ebenen, die sich bis zum Aufführungszeitpunkt immer enger verweben.

Ebene 1: Bürger Flashmob
Ab dem Frühjahr 2019 wird die Tanzkompanie der KuFa in Hoyerswerda an öffentlichen Räumen und Plätzen, wie zum Beispiel im Lausitz-Center, Marktplatz u.Ä. unangekündigte, kurze und choreographierte Tanzszenen performen, um auf die Thematik des neuen Tanzprojektes aufmerksam zu machen.

Ebene 2: Rahmenprojekte + Rauminstallation mit Plastiken, Video und Musik.
Schon beim Betreten der KuFa wird der Zuschauer in die Thematik des Tanzabends eintauchen. In Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Roland Zigan und der Medienwerkstatt der Kufa werden alle öffentlichen Räume der KuFa in eine thematisch strukturierte Installationsfläche umgestaltet. Der Künstler wird eigens dafür neue lebensgroße Plastiken vor Ort anfertigen. Diese bleiben nach dem Projekt der Öffentlichkeit erhalten. Thematisch passende Beiträge der Medienwerkstatt werden ihren Platz finden sowie eine Ausstellung des Fotostammtisch über die Probenarbeit und den Flashmob -Auftritten.

Ebene 3 : Das Tanzstück selbst.
In tänzerischen Portraits wird der persönliche Umgang mit dem Thema der sozialen Vereinsamung im context des immer stärker voranschreitenden Wegzugs von den in Hoyerswerda lebenden Tänzern bearbeitet, die damit sowohl eine Momentaufnahme zeigen, als auch persönliche Wünsche und Hoffnungen formulieren.

 

Mitwirkende:

Tanzkompanie der Kulturfabrik
siehe: www.kufa-hoyerswerda.de/workshops/tanz/tanztheater

Projektleitung + Idee, Choreografie + Inszenierung: Stephane Le Breton (Stefan Christian Schiwek)
1986 bis 1993 Studium an der Ballettschule der Oper Leipzig. Abschluss als staatlich anerkannter Bühnentänzer, tanzte als Solist für Birgit Scherzer und andere, namhafte zeitgenössische Choreografen bis 2006. 1998 Choreografie-Studium an der HfS „Ernst Busch“ in Berlin. Seine choreografischen Arbeiten erreichten Nominierungen bei internationalen Wettbewerben wie dem Prix Dom Pérignon des Hamburger Balletts und bei den Stuttgarter Solo-Tanz-Theater-Festivals. Gastierte beim Secret Solo in München, mit verschiedenen abendfüllenden Tanzstücken und spartenübergreifenden Kunstprojekten u.a. am Staatstheater Karlsruhe, Werk 2 Leipzig und der Bühne des Stuttgarter Künstlerbund, sowie mit einer Auftragsarbeit für das Cabildo de Lanzarote im Höhlentheater Jameos del Aqua. Seit 2014 Freiberuflicher Choreograf, Regisseur Concept-Creative battleROYAL Berlin, SLIKK Showacts, TRIVAGO, Palazzo GmbH (Hamburg, Stuttgart, Graz, Nürnberg), Kulturhaus Rüdersdorf, KuFa Hoyerswerda: Eine Stadt tanzt – Manifest (2018)

Komposition + Live Performance: Lih Qun Wong
Die Cellistin wird sowohl Teile der Tanzperformance vertonen, Stücke von Bach und Elgar neu interpretieren, Live auf der Bühne stehen und auch vor der Aufführung in einer 15 minütigen Komposition den Rauminstallationen von Roland Zigan Leben einhauchen. Auf diese Weise wird der Zuschauer, sobald er das Gebäude betritt. Auf die Tanz – Performance eingestimmt.

Projektbegleitende Rauminstallation kreiert und inspiriert vom Dresdner Bildhauer und Künstler Roland Zigan
Das Konzept sieht vor, aller öffentlichen und einsehbaren Bereiche des Bürgerzentrums an den Aufführungsdaten in eine Installationsfläche umzugestalten mit dem Thema: Innere und äußere Leere – was passiert mit Menschen, die in einer Stadt leben, deren Einwohnerzahl sich stetig verringert. Inkl. zwei bis vier lebensgroße Gipsplastiken, die nach Projektende in der KuFa verbleiben sollen.

„Einmaldiewoche“
In vielen zeitlosen Gedichten haben sich die Dichterinnen Else Lasker-Schüler & Hilde Domin, deren unterschiedlichen und starken Persönlichkeiten sich in der Choreografie verbinden, mit Heimat, Entwurzelung, Einsamkeit, Liebe und Hoffnung auseinandergesetzt. Eine Auswahl ihrer Texte bildet den Grundstein der tänzerischen Ausdrucksform im Sinne des bewegten Wortes. Gesprochen und Illustriert von der Theatergruppe der KuFa Hoyerswerda „Einmaldiewoche“

Das Projekt wird gefördert durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung