Do., 20.09. um 19 Uhr
Eintritt: 6,- Euro | ermäßigt: 4,- Euro

BlowUp Programm-Kino Highlight: Rhinland. Fontane

Bernhard Sallmann arbeitet an einem mehrteiligen Filmprojekt, das sich der Auseinandersetzung mit Theodor Fontane und dessen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ verschrieben hat. Nach „Oderland. Fontane“ ist „Rhinland. Fontane“ der zweite Teil. Das Interesse des Filmemachers ist einerseits ein historisches, das sich in der genauen Rezitation von Passagen aus Fontanes Buch „Die Grafschaft Ruppin“ abzeichnet: Arbeitsverhältnisse von Torfstechern, preußischer Militarismus, kapitalistisches Spekulantentum, Selbstreflexionen des Autors oder die einschneidende Erfahrung des Dreißigjährigen Krieges. Andererseits ist Sallmanns Konzept einer strengen Orts- und Landschaftsregistratur in langen statischen Einstellungen mit Originalton der Gegenwart verpflichtet: Fernverkehrsstraßen durchziehen eine vom Menschen bearbeitete Sumpflandschaft, verschwiegene Seen tun sich im Buchenwald auf.

Ein anderer großer Wanderer, Georg Forster, reflektierte einmal seinen Enthusiasmus für die Beobachtung landschaftlicher Gegenwart und ihrer dahinterliegenden Geschichte mit den Worten: „Mehr hat man doch nicht, als was einem durch diese zwei Oeffnungen der Pupille fällt und die Schwingungen des Gehirns erregt. Anders als so nehmen wir die Welt und ihr Wesen nicht auf.“ Die Welt und ihr Wesen aufzuspüren, das ist auch Sallmanns Absicht. (Ralph Eue)

„Sallmann, geboren im österreichischen Linz und zugleich sein eigener Kamera- und Tonmann, verwandelt sich diese für ihn eigentlich fremde Heimat, die Bilder und Töne der märkischen Landschaft in langen, streng kadrierten Einstellungen an. Man sieht Felder, Seen, Kanäle, Flüsse, eine Stadt mit Kirchturm in der Ferne, eine Straße, die Felder durchschneidet, ein Schlösschen, ein Kriegerdenkmal, einen Grabstein für eine preußische Königin, einen Waldwiesenweg, bemooste Baumstämme, einen Bootsschuppen, vom Wind leicht bewegte Farnkräuter, und immer wieder den weiten Himmel, selten blau, oft von Wolken bedeckt. Man hört den sanften Wind, das Gezwitscher von Vögeln, das Plätschern von Wasser, aber auch Lärm von der nahen Autobahn. Jedes Bild ist ein Gemälde, wie für die Ewigkeit gemacht. Dazu Fontanes Geschichten, die sich wie Folien über die Aufnahmen legen: Die vollendete Vergangenheit streift die Gegenwart; die Ereignisse von einst ziehen wie von Geisterhand bewegt vorbei und verschwinden ins Nichts, werden von der Ewigkeit der Natur und der Landschaft aufgesogen. Alles ist vergänglich, nichts bleibt, wie es war, und was heute noch wichtig erscheint, wird morgen nur noch auf dem Papier des Chronisten festgehalten sein, aber nicht mehr in der unmittelbaren Wirklichkeit.“ (Ralf Schenk, Filmdienst)

„Bernhard Sallmann zeigt meditativ statische Bilder aus dem Ruppiner Land, zu denen Judica Albrecht mit sanfter Stimme Fontane-Texte rezitiert. Das kleine, literarische Filmessay wird schwerlich ein größeres Kinopublikum finden. Wer allerdings die Interpretation auf assoziativer Basis schätzt, findet viele Möglichkeiten, beim Zuhören Denkansätze zu finden.“ (programmkino.de)

Regie: Bernhard Sallmann
Deutschland 2017